MySpace schlägt zurück
Längst hat Facebook mit einem grandiosen Bauernhofspiel und über 10 Millionen Mitgliedern MySpace (rund 4 Millionen deutsche Profile) in seiner Relevanz als asoziales Netzwerk abgelöst. Doch nun bläst das Unternehmen der News Corporation zum größten Gegenangriff in seiner Geschichte.
Diesen Donnerstag läuft mit “The Social Network” ein Film über Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in den Kinos an und setzt den nicht nur in Deutschland abgeschlagenen Konkurrenten MySpace unter zusätzlichen Druck. Wie von Insidern lange erwartet, kündigt Rupert Murdoch (CEO der News Corporation) nun einen gewaltigen Marketingfeldzug an, bei dem Facebook “das Essen aus dem Gesicht fallen” werde. Zunächst ist ein Film unter der Regie von Steven Spielberg geplant. Das schlicht “Tom” betitelte Opus soll die Lebensgeschichte von Myspace-Gründer Thomas Anderson in eindringlichen Bildern erzählen. Vom verpickelten Teenager (Daniel Brühl), über den einsamen aber pfiffigen Studenten (Leonardo di Caprio), bis zu einem Mann (Charlotte Harfouche), der sich jedem Myspace-User als erster und manchmal einziger Freund anbiedert – der Blogbuster will sich allen wichtigen Stationen dieser gewöhnlichen Persönlichkeit widmen, die heute immerhin 11.985859 – [Nachtrag der Redaktion: 11.985860, halt 11.985856] – Freunde auf ihrem Profil versammelt. Ein Spiel zum Film, ein Buch zum Spiel, ein Hörbuch zum Buch und ein Fanschal zum Hörbuch sind bereits in Planung. „Facebook hat uns bloß wegen dieser kindischen Chuck Norris Witze“ abgesetzt, wettert Murdoch im Telefoninterview. „Und weil die gesamte von mir gelöschte Atheisten- und Anti-Bush-Guerilla dahin abgewandert ist. Facebook kennt halt keine Werte.“ Eine Wertediskussion aber soll MySpace nach dem erwarteten Erfolg von “Tom” ganz nach vorne bringen. Führende deutsche Intellektuelle springen Murdoch bereits jetzt zur Seite. Sprachwahrer Bastian Sick empfiehlt die deutschen Profile „MeinRaum“ zu nennen und weiß “Ein Volk ohne Raum ist wie ein Netzwerk ohne Playlists, entschuldigung, Liederabspielreihenfolgen”. Während Papst Benedikt XVI. das Geschehen gewohnt souverän kommentiert (“Lirum, larum, Löffelstiel!”), arbeitet One-Man-Think-Tank Thilo Sarrazin an einem verheißungsvollen Konzept: Muslimische Migranten mit einem IQ unter 105,78 oder einem Bruttojahreseinkommen unter 40.000 Euro sollen “in den virtuellen Raum ausgelagert werden, in dem sie sich irgendwie als Fake-Profile nützlichen machen können. Zum Beispiel, indem sie deutsche Jugendliche zu Fleiß, Gehorsam und Pünktlichkeit motivieren, damit die dann auf einem nicht existierenden Arbeitsmarkt…, Sie wissen schon.” Konkreteres wollte der ehemalige Finanzsenator noch nicht verraten. Den größten Knaller verspricht Murdoch jedoch für Sommer 2012. Dann nämlich soll MySpace_Live gelaunched werden; eine vollständig überarbeitete Version, die ganz ohne Internet und Computer auskommt. Startschuss wird eine Eventeinladung durch Tom sein, der in allen größeren Städten von Haus zu Haus geht, klingelt und zu einer „supercoolen Show“ einlädt. Andere Mitarbeiter sprühen unterdessen Bulletins oder Kommentare an Gebäudewände im öffentlichen Raum. „Am Ende“, so Murdoch, „springen alle fröhlich umeinander und halten sich gegenseitig grellbunte Schilder mit ihren Bands, Büchern, Titten oder Stimmungs-Emotikons vor die Nase.“ Der Kampf zwischen Facebook und MySpace ist also noch nicht entschieden. Zwei Konzernbosse finden das gut. Daumen hoch!
Publiziert:
4. Oktober 2010
Verfasst von:
Anselm Neft
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