Jahresendeuphorie: Jugendschutz in Deutschland wird ausgeweitet
Nach der Auswertung etlicher Studien reagiert die “Unnötige-Literatur- Selbstkontrolle” (USK) zum Jahresende mit einem effektiven System zum Schutz der Jugend vor gefährdenden Buchinhalten. Die Maßnahmen reichen von einem transparenten Alterverifizierungssystem bis zur Indizierung besonders fragwürdiger Schriften.
Jugendschutz wird in Deutschland groß geschrieben. Es ist ja auch ein Substantiv. Dennoch hat die USK bislang versäumt, bei dem Medium anzusetzen, durch das die Jugend am nachhaltigsten verdorben wird: Texte. Ob Hardcover, Taschenbuch oder auch Blogeintrag – Studien belegen, dass jeder deutsche Amokläufer vor seinen Taten mehr als einen Text gelesen hat. „Das gleiche gilt für Selbstmörder und Studienabbrecher“, sagt Dr. Senf (88), unabhängiger Gutachter der USK. Senf, der gerade das Buch „Quo Vadis Deutschland?“ verfasst, gibt weiter zu bedenken: „Man kann über das 3. Reich sagen, was man will. Aber Jugendschutz war dort eine Selbstverständlichkeit: Schmutzige Bücher, Filme oder Gemälde – so was hat es beim Führer nicht gegeben.“ Auf die Frage, ob die Jugend damals weniger gewalttätig gewesen sei, gibt Senf zu verstehen: „Weniger kriminell. Energien wurden in den Dienst eines starken Staates gestellt. Und als Polen uns dann angegriffen hat, haben wir halt reagiert.“
Senf hat eine Liste von Büchern erstellt, die künftig einen „Ab 18“-Sticker tragen oder ganz verboten werden sollen. Darauf finden sich so unterschiedliche Werke wie Nabokovs Lolita („Kinderpornografie“), Wilhelm Buschs gesammelte Werke („grafische Gewaltdarstellungen“) sowie das Gesamtwerk Kafkas („macht depressiv und arbeitsunfähig“). Senf beschäftigt für diese Aufgabe ein von Steuergeldern bezahltes Expertenteam, das „überall mal reinliest“, aber auch Hinweise per Fax oder Mail entgegennimmt.
Lukas F. (12) begrüßt die aktuelle Entwicklung: „Ich hatte das Gefühl, mehr und mehr Zeit ins Lesen zu stecken, habe teilweise richtig den Boden unter den Füßen verloren und mir voll kranke Fragen gestellt.“ Auch die Eltern des Gymnasiasten zeigen sich beruhigt: „Es ist für uns eine große Hilfe, wenn eine offizielle Behörde Richtlinien vorgibt. Jetzt kann Lukas wieder verstärkt seine Kompetenz im Umgang mit neuen Medien ausbauen.” So soll der Heranwachsende neulich ganz alleine die Filme „Gedemütigte Dreilochstuten“ und „Nymphchens erstes Mal“ heruntergeladen haben. “Mit nur drei Klicks”, sagt Herr F. ”Da ist man natürlich schon ein bisschen stolz.“
Publiziert:
2. Dezember 2010
Verfasst von:
Anselm Neft





