* Eigentlich heißen wir Chaotic Nerd News, aber ein amerikanischer Fernsehsender hatte etwas dagegen.

Spaß im Mai: Iron Sky

Am heutigen Feiertag (sei er für Väter oder in den Himmel gefahrene Söhne) will KNN einmal das garstige Handwerk der Satire ruhen lassen und – wenn auch reichlich spät – einen Film empfehlen: Iron Sky vom finnischen Regisseur Timo Vuorensola, der bereits mit  grundsolidem Star-Trek-Quatsch auf sich aufmerksam machte. Für den aktuellen Film banden Vuorensola und sein Team von Anfang an ihre Internet-Community stark ein. So unterstützen Fans die Drehbuchautorin Johanna Sinisalo mit Ideen, erhielten Einblicke in die Produktion und konnten als Statisten mitwirken. Von den rund 7,5 Millionen Euro Produktionskosten stammt fast eine Million aus Crowdfunding. Auch wenn Iron Sky nicht ganz der herausragende Geek-Trash geworden ist, denn sich manche erhofft haben: Es gibt mindestens zehn gute Gründe den Film zu sehen.

 

 

1. Iron Sky hat, was den zehnmal teureren Hollywoodblockbustern heutzutage oft fehlt: Gemütliches Erzähltempo, liebevolles Drehbuch, Spezialeffekte, die nicht nerven. Und Udo Kier!

 

2. Die anderen Darsteller sind auch nicht von Pappe.

 

3. Die Musik von Laibach.

 

4. Daniel Erk schreibt in DIE ZEIT der Film sei „langweilig, platt und mutlos“. Und wer die Trefferqoute der ZEIT-Filmkritiken kennt, weiß, dass das eine Empfehlung für Iron Sky ist.

 

5. Die „Götterdämmerung“ der Mondnazis ist noch geiler als der Todesstern.

 

6. Die New York Szenen wurden in Frankfurt am Main gedreht.

 

7. Wir erfahren, dass wir unser Bild der US-Regierung auch 2018 nicht korrigieren müssen.

 

8. Obendrein erfahren wir endlich, wofür es gut war, alle Teile von Wing Commander durchzuspielen.

 

9. „Das ist doch ne Anspielung auf…“-Nerds bekommen reichlich zu tun.

 

10. Noch nie klang der Satz „Ich bin selber Nazi“ so charmant und lustig.

Auch das noch: Das Internet wird langsamer!

Laut „State of the Internet“, dem Vierteljahrs-Bericht des US-amerikanischen Providers Akamai Technologies Inc., hat der weltweite Datendurchsatz im Internet im Vergleich zum vorherigen Quartal um 14% abgenommen. Langsamere mobile Netzverbindungen wurden dabei herausgerechnet und scheiden somit als Begründung aus. Nun denkt die Fachwelt über Ursachen und Lösungen nach. KNN nennt die seriösten Vorschläge.

  1. Facebook abschalten.
  2. Porn free day einführen.
  3. Bufferbloatman und seine Megaupload-Waffe zum Einsatz bringen.
  4. Youtube-Regelungen: Bei youtube darf (ansprechende Qualität vorausgesetzt), das gleiche Video/der gleiche Song nur EINMAL hochgeladen werden. Das Verfassen von Kommentaren zu bzw. über Justin Bieber wird weltweit mit mindestens zwei Jahren Gefängnis bestraft.
  5. Alle Daumen-hoch/runter- und Gefällt-mir-Buttons abschaffen.
  6. Auch wenn es Bürgerkriege gibt: WoW und FIFA 12 abschalten. Und Skype.
  7. Den Netzführerschein einführen: Surfen darf nur noch, wer Grundkenntnisse nachweisen und z.B. NoScript anwenden kann.
  8. Überwachungs-, Protokollier-  und Filtermaßnahmen nur noch von Piraten programmieren lassen…
  9. Kostenpflicht für Streaming-Späße.
  10.  Windige Firmen wie Akamai verstaatlichen.
  11. Internetzugang nur noch für Erstweltländer und dort nur für Akademiker und deren Kinder.
  12. Ein kleiner, grünbemützter Junge führt einen Kaltstart des Hauptrouters durch.
  13. Die Links in diesem Artikel nicht anklicken.

 

 

 

 


Brutaler Datenschützer triumphiert über Polizisten – Deutschland auf dem Weg in den Unrechtsstaat?

Zwei Polizeibeamte, die sich im September 2009 auf der Datenschützer-Demo „Freiheit statt Angst“ heldenhaft gegen einen bewaffneten Berserker zur Wehr setzten, sind nun von einem Berliner Gericht zu je 6000 Euro Bußgeld verurteilt worden. Zwar ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, aber es steht zu befürchten, dass auch in unserem Rechtsstaat ukrainische Verhältnisse salonfähig werden. Mutige Politiker bekennen Flagge.

„Von deutschem Boden darf nie wieder eine EM ausgehen“, donnert Menschenrechtler Sigmar Gabriel (SPD), als er von dem Justizskandal erfährt. Im Amtsgericht Berlin-Tiergarten hatte am Montag eine offensichtlich von der Datenschutzmafia geschmierte Richterin zwei unschuldige Polizeibeamte zu hohen Geldstrafen verdonnert. Christian Lindner (FDP) stimmt seinem politischen Rivalen zu: „Zwar ist das Urteil nicht so drastisch wie im kommunistischen Unrechtssystem Ukraine, aber die Signalwirkung dürfen wir nicht unterschätzen.“ Auch Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) hatte zu den Vorfällen schneller eine Meinung als ein gewöhnlicher Mensch einen klaren Gedanken fassen kann: „Jetzt sind wir alle ein bisschen Ukraine!“

Anders als im Falle der adretten Milliardärin Julia Timoschenko dokumentiert die per Mobiltelefon gefilmte Auseinandersetzung eindrücklich das Geschehen am 12. September 2009: Ein blaugewandter Demo-Hüne nähert sich einem versprengten Haufen bibbernder Beamter mit einer unförmigen Stahlwaffe, an der zwei bedrohliche Räder kreisen. Als die Aufmerksamkeit des heimtückischen Datenschützers kurz nachlässt, greift ein Polizist mutig ein und zerrt den Aggressor zur Seite, wo er zufällig in die nervös zuckende Faust eines anderen Polizisten fällt und zu Boden geht. Sofort scharen sich hilfsbereite Polizeibeamte um den Liegenden, wollen ihm aufhelfen, was aber nicht gelingen will, weil der ungeschickte Berserker immer wieder gegen irgendwelche fremden Körperteile stößt. Den Polizisten hier aufgrund einer „gemeinschaftlichen Begehungsweise“ eine schwere Körperverletzung anzuhängen, wäre absurd. Genau das aber hat die Anklage versucht. Zwar ist sie damit gescheitert, doch die von der Dauer des Verfahrens schwer traumatisierten Polizisten, die der verstockten Richterin bis zum Schluss die Richtigkeit ihres Verhaltens und die Täterschaft des Waffen-Hünen begreiflich machen wollten, wurden immerhin für eine „einfache Körperverletzung im Amt“ verurteilt.

„Quo vadis Rechtsstaat?“, fragen sich nun gestandene Freiheitskämpfer wie Bundespräsident Gauck. Und: „Müssen wir uns jetzt selbst boykottieren?“, räsoniert Außenminister Guido Westerwelle und fügt nachdenklich hinzu: „Wenn Polizisten das Gewaltmonopol des Staates nicht mehr voll ausschöpfen können – was kommt als nächstes? Dass eine schöne Frau, die sich friedlich auf Kosten der Bevölkerung bereichert,  ins Gefängnis muss? In ein Gefängnis, in dem man sie mit Hungerstreik und dem Gestümper eines Arztes von der berüchtigten Berliner Charité foltert?”

Klare Kante in beiden Fällen zeigt US-Außenpräsidentin Hystery Clinton: „Eine Frau, der medizinische Hilfe verweigert wird, indem man sie zum Krankenhausbesuch zwingen will, braucht wirklich jede Unterstützung. Und den verurteilten deutschen Demohelden biete ich Jobs in einem unserer Black Site – Gefängnisse an. Da wird solide Polizeiarbeit noch gewürdigt.“

 

Nerdalarm am Zeitschriftenstand – Yps mit Gimmick kommt zurück

Zweimal scheiterten die Wiederbelebungsversuche. Nun soll ein dritter gestartet werden: Am 11. Oktober kommt eine neue Ausgabe von Yps mit Gimmick für 5,90 € in den Handel. Chefredakteur Christian Kallenberg, von 2005 bis  2010 verantwortlich für die deutsche Ausgabe des Bubenmagazins „FHM“, will aus YPS eine „Erwachsenenzeitschrift“ machen. Seiner bisherigen Zielgruppe bleibt er damit treu: Frühreife Kinder und zurückgebliebene Erwachsene. KNN traf den Journalisten zum Gespräch.

KNN: Eine Neuauflage von Yps – warum gerade jetzt?

Kallenberg: Über den Facebook-Auftritt von Yps habe ich gemerkt, was das auch heute noch für ein Kult ist. 40.000 Fans zeigen: Da ist echt eine ernst zu nehmende Zielgruppe.

KNN: Sie benutzen seltsame Wörter, Printmann.

Kallenberg: Wie bitte?

KNN: Facebook, Kult, Zielgruppe. Das klingt ungesund.

Kallenberg: Ach Gottchen, Sie sind ja total Retro.

KNN: Und Yps nicht?

Kallenberg: Wir wollen ja was Neues machen, die Themen von damals inhaltlich und optisch in die jetzige Lebenswelt der Leser übertragen. Yps als Lifestyle-Heft für Männer.

KNN: Wie kommt man auf so was? Durch Zielgruppenanalyse?

Kallenberg: Exakt. Die meisten der Facebook-Fans sind Männer zwischen 25 und 44. Yps ist eine positiv besetzte Marke in den Köpfen dieser Zielgruppe.

KNN: Wie müssen wir uns die Inhalte vorstellen?

Kallenberg: Das neue Heft soll Kindheitserinnerungen wecken ohne kindlich zu wirken. Zum Beispiel: „Mit 35 noch Geheimagent werden“ oder „Zauberei – zehn einfache Tricks für die nächste Party.“

KNN:  Wow. Das klingt sehr maskulin. Aber uns fallen da noch männlichere Themen ein.

Kallenberg: Echt? Ich bin für jeden Vorschlag dankbar. Mehr als den Zauberer und den Geheimagenten habe ich bisher nicht.

KNN: Wie wär’s mit einer großen Plastiktüte, die man als Zelt, Duschwassertank und Solarzeppelin benutzen kann? So outdoormäßig.

Kallenberg: Cool. Ist notiert.

KNN: Oder Fischfutter, dass man sich selbst züchtet.

Kallenberg: Geil.

KNN: Eine orangefarbene Plastikbox als Survival Kit. Mit einem Hubba Bubba drin, das man auch als Kondom verwenden kann. Eine Maschine, die viereckige Eier macht. Ein total echt aussehender Detektivausweis.

Kallenberg: Langsam, langsam, so schnell komme ich nicht mit. Ist geil, oder? Das neue Heftkonzept bietet so viele Möglichkeiten, die Themen, die uns damals bewegt haben, aus einer neuen, spannenden Perspektive zu beleuchten.

KNN: Genau. Superthemen! Super neue Perspektiven! Geniale Gimmicks wären doch auch „Das Schwallometer“ oder „Die Maschine, die dir voll ins Hirn scheißt“.

Kallenberg: Hmm. Meinen Sie? Da denke ich mal drüber nach.

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Die kursiv gesetzten Passagen im fiktiven Interview sind Originalzitate.

Vor der Landtagswahl: Wikimedia stellt wieder Fragen an NRW Parteien

Die CDU bietet ihren „Dialog über Deutschland“, die SPD ihren „Zukunftsdialog“, die Piraten hoffen auf die direkte Online-Demokratie [a.k.a. Schwarmintelligenz]. Selbst das verschlafene Städtchen Bonn am Rhein fragt unter „Bonn packt’s an“ nach den Meinungen auch  minderbemittelster Bürgerinnen und Bürger. Nun sollen aber nicht nur die Regierten den Regierenden ihre Meinung sagen, sondern auch die Politikerinnen und Politiker dem einfachen Volk. Wie schon zur NRW-Wahl 2010 hat Wikimedia zur kommenden Wahl am 13. Mai „Prüfsteine“ aufgestellt: 18 Fragen an die kandidierenden Parteien zu Themen wie Netz- Bildungs- oder Urheberrechtspolitik. Lobenswert ist dabei einmal mehr, wie offen die Fragen gestellt werden. Dadurch wird verhindert, dass sich die Befragten zu bestimmten Äußerungen gedrängt werden.

Wie schwer es ist, Fragenkataloge aufzustellen, die zu validen Ergebnissen führen, davon kann manche Soziologin ein Lied singen. Ob quantitativ oder qualitativ ausgerichtete Verfahren – immer ist es wichtig die eigene Geisteshaltung zu reflektieren und jedwede manipulative Einflussnahme durch die Fragestellung zu vermeiden. Obwohl Politiker in der Regel genau das sagen, was sie meinen und was sie später umzusetzen gedenken, kann vor einer mit Spannung erwarteten Wahl ein wenig Vorsicht nicht schaden. Nicht, dass am Ende die Volksvertreter nur das äußern, was viele offenbar hören wollen. Wikimedia hat dieses Problem erkannt und vorbildlich gelöst. So gibt es zu jedem Fragenkomplex einen kleinen Einleitungstext, der den Befragten die Orientierung erleichtert. So heißt es zum Thema Netzsperren „Seitdem herrscht ein weitgehender Konsens über die Gefährlichkeit und Unsinnigkeit von Netzsperren.“ Im Anschluss daran wird gefragt, ob man Gesetzesvorhaben für Netzsperren plane. Noch liegen die Antworten der Parteien nicht vor, aber die Spannung steigt bereits jetzt ins Unermessliche, was sie wohl antworten werden. Auch das Thema „Bildungspolitik“ wird ganz unverkrampft angegangen. Nehmen wir Frage 2: „Sehen Sie Chancen dafür, die Schulen technologisch besser auszustatten und Kindern und Jugendlichen einen kompetenten Umgang mit Neuen Medien zu vermitteln?“ Spannend, spannend! Was werden die Parteien wohl antworten? So vieles scheint möglich: Von einem entschlossenen „Ja“, über ein besonnenes „Vielleicht“ bis hin zu einem trotzigen „Nein“. Oder Frage 18: „Werden Sie – wie in Berlin – die Netzpolitik zu einem eigenständigen Politikfeld mit entsprechenden Kompetenzen innerhalb der Landesregierung aufwerten?“ Tja, gute Frage, bei deren Beantwortung der völlig neutrale Einleitungstext zu „Netzpolitik“ keinerlei Anhaltspunkt liefert:  „Auch auf landespolitischer Ebene erscheint eine Bündelung der Kompetenzen zu Folgewirkungen der Digitalisierung dringend erforderlich.“

Wenn man sieht, wie sich die „Dialog“-Portale der CDU oder SPD mit den meinungsfreudigen Monologen arbeitsloser Neonazis und demenzerkrankter Rentner füllen, tut es gut, dass Wikimedia nicht auch noch als Fragen maskierte Meinungen ins Netz schleudert. Einfach mal fragen, was der Andere wirklich denkt, ohne schon wieder alles besser zu wissen – das wirkt Wunder in Beziehungen, und das wirkt sicher auch Wunder in der Politik.

 

Samba-Sicherheitslücke kostet Admins Nerven

Die laut Samba-Team „schwerst mögliche Lücke in einem Programm“ macht all jene Systeme angreifbar, die auf die verbreitete Open-Source-Software setzen. Die Sicherheitslücke ist durch einen mangelhaften Code-Generator für Remote Procedure Calls entstanden und betrifft alle Samba-Versionen ab 3.0.25 bis 3.6.3. Admins werden nun aufgefordert, ihre Server mit aktuellen Updates zu sichern. Darunter genervte Kollegen wie Torsten Frickler (29).

Ein ganz normaler Morgen bei Blubb & Laber: Während die Angestellten, Freelancer, Praktikanten und Trainees hektisch durch die Gänge und Räume der Werbeagentur wuseln und den nächsten pitch vorbereiten, sitzt Admin Frickler in seiner Abstellkammer und hasst sich an der Google-Chrome Werbung fest. Immer, wenn er gemütlich seine Privatmails gecheckt hat, taucht entweder die Fresse von Martin Willroth auf, der seiner Tochter seit ihrer Geburt Mails schreibt, oder wahlweise der pfiffige Ralf Krauthausen, „ein Mann, der eine Idee für 1,6 Millionen hat“. Frickler hasst die beiden ihm aufgedrängten Männer jeden Tag mehr. Und was am meisten nervt: Man kann die Werbung trotz Schließen-Kreuzchen nicht schließen. Normalerweise sind das die größten Probleme seines Arbeitsalltags. Außer ihm hat keiner Ahnung von IT, und was er da in seinem Kabuff macht, interessiert niemanden, solange alle ihre Powerpointpräsentationen ordentlich ausdrucken können. In seinen Wochenbericht schreibt er, was Blubb und Laber gerne lesen: „bug fixing“, „hang- and workaround“, „onplaying of premium patches“ oder „optimizing of workflow-efficiency through supernew IT-update“. Die Firmengründer reden nicht nur selbst täglich Quatsch, sie glauben auch den Quatsch der anderen. Solange er nur gut klingt.

Jetzt aber um 10.33 Uhr steht plötzlich Laber in der Tür und hat diese rot glühenden Stressflecken im Gesicht, die nichts Gutes verheißen.

„Wir haben doch einen Mambo-Server“, quäkt der Teil-Geschäfstführer, der hier den CEO, CIO und NLP-Masterpractitioner in Personalunion gibt. Frickler nickt: „Genau.“ Nie dem Laber widersprechen, wenn er gestresst ist.

„Fuck, fuck, doublefuck! Bei Spiegel-Online schreiben die, da gibt es eine Riesensicherheitslücke. Da können andere quasi in unser Dingsda…also Netzwerk eindringen. Wenn jetzt die Arschlöcher von Schwafel & Laber an unsere Pitch-Unterlagen kommen, dann…“  

Scheiße, denkt Frickler, Scheiß Spiegel-online. Möglichst unauffällig schiebt er den frisch gedrehten Joint aus dem Blickfeld des vor ihm stehenden Vorgesetzten, lächelt professionell und sagt: „Ich fixe das.“

„Aber fix, aber asap, Top-Prio number one! Ich werde wahnsinnig“, ruft Laber und rauscht in den Flur.

Frickler wird bald bewusst, dass es mit dem Aufspielen der entsprechenden Patches nicht getan ist. Um die üblichen Hänger bei der Unterstützung der ständig druckenden Drucker von Blubb & Laber zu vermeiden und wegen der verflixten Kompatibilität zu Windows 7 hat er die offiziellen Pakete verschiedener Debian-Server mit trickreichen Versionen ersetzt. Nun bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu versuchen, bei Dutzenden Kombinationen von Dutzenden Samba- und Debian-Versionen den Bugfix zu bewerkstelligen ohne neue Bugs einzuführen. Eine absolute Quadratscheiße.

Frickler starrt einige Minuten in die Visage des Mannes, der seiner Tochter seit ihrer Geburt Mails schreibt. Dann beschließt er, zwei, drei Patches herunter zu laden und den Rest so zu lassen, wie er ist. Schließlich kennt er aus einem Minecraft-Forum den einzigen bei Schwafel & Sülz, der Ahnung von IT hat. Und der hat sicher Besseres zu tun, als RPC-Anfragen zu manipulieren. Frickler seufzt, dann geht er in die Zigaretten-Pause.

 

 

Mac OS X – Anteil der Freizeit-Programmierer nimmt zu

Während laut einer Studie mittlerweile 75% der Änderungen am Linux-Kernel von bezahlten Entwicklerinnen und Entwicklern durchgeführt werden, setzt Apple bei der Weiterentwicklung seines Betriebssystems verstärkt auf Menschen, die nach Feierabend coden. Laut Apple-Chef Tim Cook soll sich damit die „lässig-liberale Atmosphäre der Linux-Anfangsjahre in einem seriösen Konzern entfalten“.

Wer erinnert sich nicht an die Zeiten, wo er oder sie oder zumnindest ein Freund oder eine Freundin oder wenigstens eine Bekannte oder ein Bekannter oder – und jetzt reicht es aber auch mal – ein Freund eines Bekannten oder einer Bekannten oder eine Freundin eines Bekannten oder einer Bekannten mit einer Flasche Vitamalz im Kinder- oder Studentenzimmer saß und pfiffige Zeilen zum Linux-Kernel beisteuerte? Oder sogar zum Kern des Kernels oder dem Kernelkern-Kern? Wer dachte da schon an Geld, wo es doch um etwas Größeres ging und Mutti sowieso pünktlich um Mitternacht eine Platte mit Burgern durch den Türspalt schob? Die Aufbruchsstimmung dieser seligen Zeiten möchte Tim Cook nun „ein Stück weit“ für Apple fruchtbar machen.

„In China sind maximal 40 Arbeitsstunden pro Monat erlaubt, plus 36 Überstunden im Monat“, kennt Cook die biederen Landesgesetze seit den neusten Scherereien mit dem Produktionspartner Foxconn. „Wir überlegen daher, einen häuslichen Hobbybereich zu fördern. Apple stellt die Geräte und motivierte Hobbybastler löten daheim iPhones und iPad-Tablets zusammen. Ein Riesen-Fun!“ Spannender als die Freizeit-Fertigung von Hardware sei jedoch das nicht-erwerbsmäßige Programmieren von Software. „Ein ganz neues Lebensgefühl“, weiß auch Wanderprogrammierer Qi Han Tzu  (31). „Plötzlich ist man Teil einer großen Familie, der es nicht um Geld geht.“

Das Modell könnte Schule machen. Auch bei Microsoft erwägt man für die neue Version von Windows 8 eine irgendwie „linuxmäßigere Firmenkultur“. „Jeder ist eingeladen, als “free Geek” etwas beizusteuern“,  freut sich CEO Steve Ballmer (160/100) auf eine fast schon „hippiemäßig-entspannte“ Zukunft. Das Ziel ist klar: „Kein Servicepartner wird benachteiligt. Alle verdienen gleich viel. Nichts!“

 

Überraschende Zahlen aus München: Linux tatsächlich robuster und preiswerter als Windows?

Computer- und Wirtschaftsexperten in aller Welt staunen über Zahlen, die seit dem 19. März in der Münchner Rathaus-Umschau zu lesen sind. Ihnen zufolge ist für die bayerische Landeshauptstadt der Umstieg auf Linux rund 4 Millionen Euro günstiger als eine fortgestezte Nutzung der seit 2005 bestehenden Windows-Infrastruktur. Gesparte Lizenzkosten von ähnlicher Höhe sind dabei noch nicht mitgerechnet. Nun fragen sich einige Querdenker, ob wir tatsächlich umlernen müssen.

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) ist stolz. Anhand von kaum frisierten Zahlen kann er der anfragenden CSU-Stadtratsfraktion belegen, was viele kaum für möglich hielten: Sein immer wieder scharf kritisiertes LiMux-Projekt kommt günstiger als Windows. Obendrein wird gemunkelt, dass dank offenem Quellcode bei Linux Anpassungen durch eigene Entwickler niederschwellig möglich seien. Und damit nicht genug: Münchner Administratoren verblüffen mit der Behauptung, die Zahl der Fehlermeldung sei trotz typischer Umstellungsprobleme um etwa ein Drittel zurück gegangen. Besonders erstaunt zeigt sich die CSU darüber, dass beim LiMux-Projekt offenbar keine Lizenzkosten anfallen und somit das investierte Geld komplett im eigenen Land bleibt. Laut CSU-Politiker Willibald Hopfimoser (78) seien das schon fast „Pro-Argumente für dieses Linux“.  Er höre aber auch immer wieder Klagen von Stadt-Angestellten, zum Beispiel, dass unter Linux kein ordentlicher Moorhuhn-Download mehr möglich sei. Außerdem dürfe man nicht vergessen, was Politikern entgeht, die nicht auf Microsoft setzen: „Da sind zum einen die Wählerstimmen der Microsoft-Angestellten in Unterschleißheim. Zum anderen natürlich…ach, nee, das sag ich jetzt doch nicht.“

Ausgehend von den sensationellen Zahlen aus München beginnen mittlerweile besonders progressive Denker wie der „digitale Liberale“  Philipp Rösler (FDP) zu mutmaßen, dass freie Software und Linux einen größeren volkswirtschaftlichen Nutzen haben könnten, als die Bindung an einen US-Konzern. Allerdings äußert Rösler (39, doch wirklich!) auch Bedenken: „Freie Software – das klingt erst einmal so schön. Aber der Begriff „Freiheit“ wird oft total falsch gebraucht. Am Ende wird die Freiheit des Einzelnen, sich rücksichtslos zu verwirklichen, einer breiten Bürgerlobby geopfert. Wehret den Anfängen! Alle miteinander!“ 

Endlich: SIM-Karten sollen kleiner werden

Es hat lange genug gedauert, doch nun wird eines der drängendsten Probleme der Mobiltelefon-Technologie in Angriff genommen: Die Größe der SIM-Karte. Laut einem Sprecher der europäischen Standardisierungs- organisation ETSI soll die Nano-SIM noch diesen Sommer eingeführt werden, und sie soll nur ein Drittel so groß sein wie die bereits deutlich verkleinerte Micro-SIM. Allerdings streitet Apple mit Nokia um Details des neuen Standards.

Viele Nutzer atmen auf: Schon bald werden riesige SIM-Brocken der Vergangenheit angehören, und mit ihnen gigantische Smartphones, die oft in Rucksäcken oder speziellen Handy-Handtaschen mitgeführt werden müssen. Der Traum vom Mobiltelefon in der Hosentasche oder im schicken Ledertäschchen am Gürtel – sehr bald könnte er Wirklichkeit werden. Sicher: Der Beruf des Handyträgers, der die Mobiltelefone besser Betuchter hinter diesen her schleppt, dürfte bald der Vergangenheit angehören. Doch scheint dieses Opfer gering im Vergleich zum Nutzen für die Umwelt: Zwei Drittel weniger Plastik und einkristallines Halbleitermaterial. Ein Sprecher von Apple verweist auch auf den humanitären Nutzen der Winz-SIM: „Gerade im asiatischen Raum arbeiten viele Kinder für uns. Die müssen in Zukunft beim Einbau der SIM-Karten nicht mehr so schwer heben.“ Auch bei der Verarbeitung denkt man bei Apple erfreulich weit: Ein Schubfach soll die neue SIM-Karte schützend ummanteln und zugleich gewährleisten, dass iPhones auch in Zukunft vom User nicht zu öffnen sind. Kritiker behaupten allerdings, dass das geplante Schubfach zusammen mit der Nano-Karte anderthalb Mal so groß sei, wie die früheren SIM-Karten. Zu diesen Kritikern gehört der Nokia-Konzern, der eine eigene Nano-Sim-Variante beim ETSI eingereicht hat. “Unsere Lösung”, so Nokia, “hat signifikante technologische Vorteile”, zum Beispiel den, das bei grünem Licht der ETSI nicht sämtliche bisher entwickelten Nano-SIM—Handys neu konzipiert werden müssen.

Wenn nächste Woche abgestimmt wird, stehen die meisten stimmberechtigten Mobilfunkanbieter auf der Seite von Apple. Sicherheitshalber will der iPhone-Hersteller aber noch sechs unterscheidliche europäische Niederlassungen bei der ETSI registrieren, die jeweils 45 Stimmen abgeben könnten. Aktuell ist Nokia mit 92 Stimmen das größte Mitglied im Gremium. Nicht abgestimmt wird über so niedliche Possen wie eine virtuelle SIM. Eine Identifizierung, die nichts wiegt, fällt eben bei den Schwergewichten der Branche auch nicht ins Gewicht.

 

 

 

 

 

Spotify und Facebook – der Soundtrack deines Lebens

Seit diesem Dienstag ist der schwedische Musikstreaming-Dienst Spotify  in Deutschland verfügbar. Trotz einiger Scherereien mit der GEMA scheint Spotify auch auf dem weltweit drittgrößten Musikmarkt bestens anzukommen. Kritiker…äh…kritisieren jedoch, dass Spotify nur über einen Facebook-Account genutzt werden kann. Auf ein positives Echo stößt hingegen das Fehlen einer iPad-App.

Linus Kamphausen ist zwölf Jahre alt und ein entgeisterter Musikfan. Seit seinem achten Lebensjahr saugt er, was er saugen kann: Hauptsache viel, schnell und – wenn schon legal – dann kostengünstig. Meist hat er kaum noch Zeit, Musik zu hören, so viele Soundfiles zieht er sich täglich auf seine Festplatten und Mobiltelefone. Er bedauert das kaum, da die Klangqualität für einen echten Musikfan ohnehin indiskutabel ist. „Crippleware“ nennt Linus schmunzelnd den Datenmüll, den er hortet wie Weltkriegstraumatisierte ihre Dosenpfirsiche. Linus hat schon einige Musikstreaming-Dienste durch: Simfy war ihm bald zu buggy, beim Cloud-Angebot Sony Music Unlimited konnte er sich  keine Flatrate für seine sechs Mobilgeräte einrichten und bei Grooveshark vermisste er maßgebliche Acts wie Phil Collins. Um so gespannter ist Linus nun auf Spotify, das immerhin 16 Millionen Titel verspricht. „Da bin ich eine Weile beschäftigt“, gibt Linus augenzwinkernd zu Protokoll. Was aber hält er davon, dass nur derjenige Spotify nutzen kann, der einen Facebook-Account besitzt? „Fakebook-Account, und ab dafür“, sagt der smarte Zwölfjährige, wohl wissend, dass falsche Namen gegen die AGB von Facebook verstoßen. „Facebook verstößt auch gegen deutsches Datenschutzrecht“, weiß Linus und verblüfft dann mit etwas Latein: „Quid pro quo!“

Die Unkenrufe derjenigen, die ihn trotzdem für ein Opfer des Datenkraken Facebook halten, wimmelt der Gymnasiast ab: „Ich habe acht verschiedene Identitäten mit überhaupt keinem nachvollziehbaren Musikgeschmack. Ein Problem gibt es höchstens für meine 7245 Freunde: Die spamme ich jetzt über meine timeline täglich mit Titeln voll.“

Acht Identitäten, aber eine IP-Adresse – so einfach, wie sich das der junge Mann denkt, scheint es dann doch nicht zu sein, der Verwertbarkeit zu entkommen. Schließlich weiß man in Bezug auf Facebook schon lange: Wenn es nichts kostet, bist du nicht der Kunde, sondern das Produkt. „Stimm schon“, räumt Linus ein. „Das ist ein Super-Geschäftsmodell. Die Unternehmen kaufen die Daten und sehen, welche Musik die Leute kostenlos oder fast kostenlos streamen. Dann können Sie denen gezielt Musik für ordentliches Geld anbieten. Hmm, jetzt wo ich das so sage, scheint mir irgendetwas daran zu hinken.“

Während Linus munter Spotify benutzt, fasst Facebook bereits weitere Partnerschaften ins Auge: Bald sollen wow, ebay, youporn und der edeka-online-shop nur noch per Facebook-Account zugänglich sein. Laut Facebook-Sprecher C. Thulhu biete gerade das „Fick- und Fressverhalten der User“ hochinteressante Aufschlüsse für ein zielgerichtetes Melken der wichtigsten Human-Ressourcen: Aufmerksamkeit und Kaufkraft. „Oder lassen Sie es mich mit Adorno und Horkheimer sagen“, tentakelt C. Thulhu leutselig durch den Hörer der KNN-Redaktion: „Während der Einzelne vor dem Apparat verschwindet, den er bedient, wird er von diesem besser als je versorgt.“