Physikerproteste weltweit: „Zur Hölle mit dem Gottesteilchen“
Publiziert: 5. Juli 2012, Verfasst von: Anselm Neft,
Wissenschaftlerinnen und -schaftlern des europäischen Kernforschungszentrums CERN ist womöglich der Nachweis eines neuen Elementarteilchens gelungen. Ob es sich dabei um das seit Jahrzehnten gesuchte Higgs-Boson handelt, dessen Existenz das Standardmodell der Teilchenphysik weiter erhärten würde, ist noch nicht geklärt. Die Freude in der Physiker-Community wird jedoch überschattet von einer Medienkampagne, die das Elementarteilchen zum „Gottesteilchen“ ausruft.
„Jedes Mal, wenn jemand Gottesteilchen sagt oder schreibt, stirbt das Kätzchen eines Wissenschaftlers“, demonstriert Prof. Louis von Lepton vom IGITT (Ingolstädter Großprojekt für die Interpretation theoretischer Teilchen) ein nüchternes Denken in Kausalzusammenhängen. Im gleichen Moment ertönt im Nebenzimmer ein finales Maunzen: Kitty, die Katze der Putzfrau stirbt.
„Gut“, korrigiert sich von Lepton, „es kann auch andere Katzen treffen.“
Während in deutschen Backfilialen erste „Gottesteilchen“ in den Auslagen liegen und die BILD titelt „Jetzt sind wir alle Gottes Teilchen“, schütteln von Lepton und seine Kollegen über die unverantwortliche Berichterstattung den Kopf. In seinem Blog „Religion ist doof“ bringt es Heiko Hadron auf den Punkt: „Da wird ein ganz falsches Bild erzeugt. Religion hat in den Naturwissenschaften nichts zu suchen.“ Ihm zufolge geht der verzerrende Begriff auf den US-amerikanischen Physiker Leon M. Lederman zurück, dessen „the goddamn particle“ vom Houghton Mifflin Verlag zu einem sensationsheischenden „the god particle“ umgedichtet wurde.
Auch am CERN ist man sauer: „Erst heißt es, wir beschwören die Apokalypse herauf. Jetzt beweisen wir die Existenz Gottes“, echauffiert sich Prof. Claire Gluon. „Dabei ist es für die Christen doch unabdingbar, dass Gott einen freien Willen hat. Und wenn Elementarteilchen einen freien Willen hätten – dann gute Nacht!“
Aus den USA hagelt es ebenfalls Proteste. So erklärten Forscherinnen und Forscher des seit Januar 2011 abgeschalteten Tevatron-Beschleunigers bei Chicago: „Nicht nur der Begriff ist völlig unwissenschaftlich. Auch die Euphorie ist bei einer Wahrscheinlichkeit von 4.9 Sigma unangebracht. 5.0 wäre was anderes. Aber 4.9? Das ist für die Forschung gerade mal ein Quantensprung.“





Wieder mal ein super Beitrag. Ich finde diese Art von Satire immer wieder sehr erheiternd. Danke