Schluss mit den Mythen: Patenttrolle viel besser als ihr Ruf
Publiziert: 28. Juni 2012, Verfasst von: Anselm Neft,
Einer Studie der Boston University zufolge haben 2011 Klagen von sogenannten Patenttrollen in den USA Kosten von 29 Milliarden US-Dollar verursacht. Laut den Forschern schaden diese Klagen von NPEs (non-producing entities), die selbst keine Werte produzieren, vor allem kleineren und mittleren Unternehmen, denen durch Prozesskosten Geld für eigene Innovationen entzogen würde. Der Studie zufolge geht von den Einnahmen der börsennotierten NPEs lediglich ein Viertel an die Patenthalter. Grund genug für heise und golem haltlos gegen „Patenttrolle“ zu maulen. KNN hingegen analysiert das Ergebnis der Studie gewohnt objektiv.
Mythos 1: Kosten
Wenn von 29 Milliarden US-Dollar Kosten die Rede ist, klingt das so, als ließen die munter klagenden NPEs Geld verschwinden. Das ist aber Quatsch. Das Geld hat nur den Besitzer gewechselt. Anstatt von Verlusten könnte man genau so gut von Gewinnen reden. Auch die Finanzkrise sollte einmal unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden: Die Vermögen in Deutschland sind in den letzten Jahren noch rasanter gewachsen als die Schulden. Anstatt also Trübsal zu blasen, sollten wir uns mit den Milliardären und Millionären freuen. Wer hart arbeitet, hat sich eben auch einen Trüffel extra verdient!
Mythos 2: Schädliche Patent-Anwälte
Auch hier sollte man den Gedanken umdrehen. Wir können froh sein, dass in den USA viele Anwälte ein lukratives Auskommen als Patentkläger finden. Sonst gingen sie vermutlich in die Politik oder ins Bankenwesen. Die volkswirtschaftlichen Schäden wären sicher um ein Vielfaches höher. So betrachtet sparen die „Patentrolle“ der Volkswirtschaft Geld und sollten deshalb einen jährlichen Bonus ausgezahlt bekommen.
Mythos 3: Kleine und mittelständische Betriebe
Manche Artikel erzeugen den Eindruck, als seien die kleineren Betriebe besonders erhaltenswert. Es ist ein anthropologischer Reflex: Klein = süß = schützenwert. Wer sich jedoch im 21. Jahrhundert nicht einem Großkonzern anschließt, ist ein Auslaufmodell ohne nennenswerte Lobby und ohne Einfluss auf die Politik. Alle kleinen Firmen sollten sich daher der nächstgrößeren anschließen, bis nur noch ein Weltkonzern übrig ist, der alles beherrscht und alle Preise bestimmt und Patente auf alles hat.
Mythos 4: Nützliche Innovationen
Wer sagt eigentlich, dass wir noch mehr Innovationen benötigen? Und wer behauptet, dass wirkliche alle neuen Einfälle nützlich sind? Nehmen wir zum Beispiel die iPad-Geschmacksmuster (Banane, Schoko, Zitrone): Menschheitschance oder Firlefanz? Oder Gottes Innovation „Mensch“: Nutztier oder Radaubruder? Aber seien wir nicht zu streng mit dem quirligsten aller Säuger. Solange sich die Mehrheit von der Minderheit schön melken lässt, ist die Mehrheit auch nützlich. Irgendwie.




