* Eigentlich heißen wir Chaotic Nerd News, aber ein amerikanischer Fernsehsender hatte etwas dagegen.

Fachwelt rätselt: Nervenzusammenbruch durch Microsoft Slogan?

Gestern Mittag wurde Thorsten Wald – Betreiber der „PC-Bude“ – sabbernd vor seinem Ladengeschäft in der Ulmer Fußgängerzone gefunden. Passanten berichten, der Mittdreißiger habe mit stierem Blick dagesessen, gesabbert und mit überkreuzten Armen den Oberkörper rhythmisch vor- und zurückbewegt. Hin und wieder habe er einen kurzen Satz genuschelt, den aber niemand verstanden habe. Widerstandslos ließ sich der Verstörte in die Uniklinik abholen, wo Nervenspezialist Prof. Dr. Leubuscher (67) im Laufe der Nacht etwas Licht in den Fall bringen konnte.

Thorsten Wald aus Öpfingen bei Ulm ist in der Psychatrie ein unbeschriebenes Blatt. Nichts in seiner Krankenakte deutet auf eine Disposition zu neuronalen Leiden oder Syndromen des schizophrenen Formenkreises. Von Jugend an interessierte sich der gelernte Einzelhandelskaufmann für Computer und erwarb als Autodidakt im Laufe der Jahre weitreichende Kenntnisse über Linux-Distributionen wie Ubuntu und Fedora. In seinem Computerfachgeschäft in der Ulmer Fußgängerzone bot er jedoch aus wirtschaftlichen Gründen ausschließlich PCs mit vorinstalliertem Windows-Betriebssystem an. Wald galt als freundlicher und unauffälliger Zeitgenosse. Dass er hin und wieder einen Computer anschrie oder Bildschirme mit einer Axt zertrümmerte, wunderte niemand in einem Umfeld, das mit der Materie weitgehend vertraut ist.

Das Unglück nahm am Aschermittwochmorgen seinen Lauf, als Wald online in ein paar Tageszeitungen schmökerte und ihm eine orange-farbene Bannerwerbung ins Auge sprang: „Microsoft – Alles arbeitet zusammen“.  Der anwesende Verkäufer Michael Schmidt (32) gibt an, aus dem Büro ein gespenstisches Kichern gehört zu haben, dass einfach nicht mehr aufgehört habe. Irgendwann sei Wald mit irre leuchtenden Augen im Verkaufsraum erschienen und habe „Alles arbeitet zusammen“ vor sich hingemurmelt. Dann sei er wie ferngesteuert aus dem Laden in die Fußgängerzone gegangen, um sich vor das Schaufenster zu setzen.

Auch in Gegenwart von Prof. Dr. Leubuscher soll Wald bisher kaum etwas anderes als diese drei Worte gesagt haben. Die einzigen Abweichungen sollen einige wenige andere Dreiwort-Sätze gewesen sein. Darunter „Jedem das Seine“, „Arbeit macht frei“, „Fit for fun“, „Kraft durch Freude“ und „Ich liebe es“.

In der Uniklinik hält man den Zustand des jungen Mannes weiterhin für instabil. Inwiefern noch andere Menschen durch die Microsoft-Banner-Werbung betroffen sind, konnte bei Redaktionsschluss nicht ermittelt werden.

 

 

 

 

 

Website der Polizei NRW noch immer vom Netz – jetzt spricht ihr Ersteller Wachtmeister Paluschke

Ende Januar wurde nach einem Hackerangriff die Internetpräsenz der Polizei in NRW aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Bis heute ist nur eine statische Infoseite verfügbar. Vor allem netzaffine Rentner werden allmählich ungeduldig, müssen sie doch seit Wochen den Zeitungsdiebstahl im Treppenhaus oder den zwielichtig an der Ecke lungernden Morgenländer nun wieder mühsam telefonisch melden. Laut Jürgen Mathies, dem Direktor des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste, muss ein komplett neuer Internetauftritt entwickelt werden. Doch was sind die Hintergründe des Debakels? KNN sprach mit Website-Gestalter Wachtmeister Horst Paluschke (47).

KNN: Herr Paluschke, Sie haben die Homepage der NRW-Polizei erstellt. Wie ist es dazu gekommen?

Paluschke: Ja, lange Geschichte. Bei so was wird bei und eine Ausschreibung gemacht. Das zieht sich, weil die IT-Experten, die es auch bei uns gibt, da mitreden wollen. Dabei ist das Thema „Homepage“ ja mehr eine Marketing- und Budgetfrage, und da haben wir dann aus Steuergeldern diesen PR-Berater…Interessiert Sie das überhaupt?

KNN: Schon. Vor allem, warum schließlich Sie die Homepage erstellt haben.

Paluschke: Nach dem PR-Berater kam noch ein Budget-Berater und dann war kaum noch Budget übrig. Wir also die Ausschreibung gemacht, und da gilt beim Staat: Das billigste Angebot bekommt den Zuschlag. Mein Chef hat mich…nun ja….gebeten, selbst ein Angebot für 5 Euro zu schreiben, damit unsere Zahlen für 2012…Sie verstehen?

KNN: Ja. Und wie ging es dann weiter?

Paluschke: Ist ja eine Weile her. Ich hab es erst mit wix, dann mit jimdo und schließlich mit dem Homepage-Baukasten von 1 & 1 probiert. Schön Kontaktformular und so. Die für Bremen habe ich übrigens gleich mitgemacht.

KNN: Aber hätten da nicht IT-Experten rangemusst?

Paluschke: Das haben Einige bei uns auch gesagt. Aber was gemacht wird, bestimmen immer noch die höheren Dienstgrade. Sonst ging es ja drunter und drüber. Und dann war auch wieder alles so stressig: Überstunden hier, irgendeinen Querulanten versehentlich erschossen da.

KNN: Haben Sie sich denn Gedanken über das Thema „Sicherheit“ gemacht?

Paluschke: Na, sicher. Ich habe gleich gesagt: Mädels, wenn wir die neue Homepage haben, dann muss auch mal ein richtig gutes Antivirusprogramm her. Das kann man doch von Antivir kostenlos runterladen.

KNN: Das war alles?

Paluschke: Mir ist immer wichtig gewesen, dass alles miteinander vernetzt ist. Das ist doch die Idee von diesem Internet. Also: interne Daten und Homepage alles schön miteinander verbunden. Bloß doof, das jetzt gar nix mehr funktioniert.

KNN: Verstehe. Wie geht es jetzt weiter?

Paluschke: Wegen dem Imageschaden haben wir jetzt erst mal den alten PR-Berater angerufen.  Na und wenn dann noch Geld übrig ist, machen wir ne neue Ausschreibung.

 

 

 

 

Internetsicherheit: Ministerin Schröder rät Schülern zu Facebook-Freundschaft mit den Eltern

Vergangenen Dienstag sprach Kristina Schröder (34), Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Überschneidungen möglich) im Rahmen des Safer Internet Day vor und zu den Schülerinnen und Schülern eines Berliner Gymnasiums. Dabei bewies die Expertin für Extremismus, Feminismus und sexuellen Missbrauch auch auf dem Feld IT großes Einfühlungsvermögen und beeindruckende Sachkenntnis.

Dienstagvormittag im hippen Mitte. Im cool ausgebauten Dachgeschoss des trendigen Phorms-Gymnasiums rutschen Schülerinnen und Schüler aufgeregt auf ihren Stühlen. Es ist einfach alles ein bisschen zu cool, um wahr zu sein. Da stehen drei Promis und reden über ein krass angesagtes Thema: Jörg Pilawa („Rette die Millionen“), Anneke Kim Sarnau („Polizeiruf 110“) und Kristina Schröder („Die Familienministerin“) finden das Internet echt töfte. Jetzt echt mal. Die Anneke gibt zu, dass sie es manchmal nicht so ganz checkt, das mit facebook und so. Das kommt voll sympathisch rüber. Und die Kristina ist eine echte Frau Doktor und weiß gleich Rat: Da muss man sich zusammen mit seinen Eltern einfach mal reinfuchsen in dieses Internet. Die Anneke weiß zwar nicht, ob ihre Eltern da nicht Angst hätten, auf einen falschen Knopf zu drücken und das Internet zu löschen, aber egal, cool ist das schon.

Überhaupt weiß die Kristina viel. Sie sieht nicht nur ein bisschen so aus wie Günter Netzer, sie ist auch so kompetent wie er. Zum Beispiel als sie ganz lässig diesen wirklich großen Satz sagt: „Es ist wichtig, dass man, wenn man im Netz surft, es sicher tut.“ Bingo. Endlich sagt es mal jemand. Safer Surf! Viele Dinge müssen einem ja erst mal gesagt werden. Mal so zum Beispiel: Wenn man gerne die Finger in den Po steckt und dann nachher daran riecht, dann soll man das heimlich machen. Kommt sonst uncool. Und so ähnlich ist es auch im Netz: Da muss man ja auch die Chronik und die Cookies löschen, wenn man anderen Leuten dabei zuguckt, wie sie sich den Finger oder sonstwas in den Po stecken. Das meint die Kristina bestimmt, als sie den Zeigefinger hebt und sagt: „Was in der Realität pfui ist, dass ist im Internet nicht hui.“ Klar wie Kloßbrühe.

Richtig cool wird es, als die Kristina vorschlägt, dass sich Eltern und ihre Kinder bei facebook befreunden sollen. Anerkennendes Raunen der 10 bis 15jährigen. Auf diese Superidee wären sie selbst gar nicht gekommen. Wenn man das mal weiterdenkt, könnte man die Eltern auch auf Partys mitnehmen oder beim ersten Petting dazu holen, so zur Sicherheit. Nicht, dass man plötzlich in ein linksextremes Milieu abrutscht und Cannabis schnupft. Nee, die Kristina ist wirklich eine Politikerin wie sie sein soll: Weiß voll viel und ist dabei total locker. Da bekommt man als junger Mensch richtig Vertrauen in die Politik und freut sich schon darauf, wenn man endlich wählen gehen kann. Den Jörg zum Beispiel.

 

Aufregung und Jubel – Inquisition kehrt zurück nach Europa!

Gegründet zur Bekämpfung von Ketzern, aufrecht erhalten zur Bekämpfung von Hexen, dann zunehmend entrechtet und in die Kongregation für die Glaubenslehre umbenannt, feiert nun eine der wichtigsten Institutionen des Abendlandes eine glorreiche Auferstehung: Die Inquisition. Doch die Zeiten ändern sich: Was früher eine gelungene Kooperation geistlicher und weltlicher Mächte zur Bekämpfung der satanistischen Weltverschwörung gewesen ist – schließlich finden sich heute in Europa weitaus weniger Hexen als noch vor 300 Jahren – präsentiert sich in unseren Tagen als nüchternes Vertragswerk ACTA (Anachronistisch chimärenhafte Text Aneinanderreihung).  Gottlob sind wenigstens die Mittel gleich geblieben.

Die Hexen unserer Tage machen kaum noch Wetter, verderben nur noch selten Feldfrüchte und Vieh. Stattdessen hexen (neudeutsch: hacken) und krexen (neudeutsch: cracken) sie im Internet herum und betreiben dort manch üblen Malefiz. So rauben sie den geistigen Eltern ihre getauften Kinder und stellen in schwarzmagischen Prozessen grässliche Kopien davon her. Damit verderben sie dann vor allem die Jugend und den Konzernen einen Teil ihres Geschäfts. Lange  mussten die Europäer diesem schandbaren Treiben tatenlosen zusehen. Doch seit 2007 feilen wackere Wahrer des Guten an einem Buch, das die dringend nötige Hexenverfolgung begründen und erleichtern soll: „Der Hackerhammer“, kurz ACTA.

Besonderes Glanzlicht der ACTA-Krieger: Die geplante Schaffung eines „Oversight Comitee“, das sich mit neumodischem Firlefanz wie demokratischer Transparenz gar nicht erst abgibt. Ebenfalls von den Inquisitionsgerichten der frühen Neuzeit abgeguckt: Die Definitionshoheit darüber, was eine Hexe ist, liegt bei den Hexenjägern. Die Beweislast wiederum liegt nicht beim Kläger sondern beim Beklagten. Ein Recht auf Aussageverweigerung gibt es nicht, dafür brachiale Strafen wie Exkommunikation aus dem Internet und das Verbrennen von Unsummen (sogenannte Kompensationszahlungen).

Natürlich werden derzeit noch Unkenrufe zweifelhafter Individuen laut, die der ACTA-Inquisition Partikularinteressen, mangelnde Sachkenntnis und Lobbyismus vorwerfen. Dabei sollten diese Hexenschützer und Ketzer an der reinen Lehre des gottgegebenen Kapitalismus lieber Acht geben, dass ihre Internet-Provider nicht illegalen Traffic aufweisen oder sich zufälligerweise geschützter Code in ihrer Open-source-Blasphemie finden lässt. Die Hexenriecher (neudeutsch: Patenttrolle) reiben sich bereits die Hände. Und: Wer nicht denunziert, macht sich strafbar.

Seit wenigen Tagen ist das brillant undurchsichtig formulierte Werk durch die EU-Kommission ratifiziert und braucht nur noch den Segen des EU-Parlaments und schließlich der nationalen Parlamente. Drücken wir ACTA die Daumen, dass es seine göttliche Mission erfüllen darf, denn – das wussten schon die Folterknechte frührer Zeiten – im Kampf gegen das Böse muss jedes Mittel Recht sein. Deus lo vult.