* Eigentlich heißen wir Chaotic Nerd News, aber ein amerikanischer Fernsehsender hatte etwas dagegen.
Ein Bonner Mutter-Kind Café greift nach der Weltherrschaft. Bisher existiert nur eine Filiale von „Apfelkind“, aber jeder Konzern fängt klein an. Schon hat sich die gewiefte Gründerin ein Apfel-Kind-Logo beim Münchner Patent- und Markenamt als Wort- und Bildmarke eintragen lassen, und damit wie nebenbei das kultige Apfelsymbol einer kauzigen kalifornischen Computerfirma geklaut. Nun wehren sich die hart arbeitenden Männer und Frauen des genügsamen Underground-Unternehmens „Apple“, das unter Kennern als Geheimtipp in Sachen Funktionalität und Hippness gilt.
„Plötzlich hatte ich ein Anwaltschreiben aus Kalifornien auf dem Tisch“, gibt sich die Jung-Kapitalistin Christin Römer (33) ahnungslos. „Ich wollte doch nur ein paar Waffeln für die lieben Kleinen backen“, schiebt sie sofort hinterher, als sie merkt, dass wir ihre gespielte Rehäugigkeit durchschauen. Warum sie dann eine Homepage braucht, kann die Café-Haus-Imperialistin nur zögernd beantworten: „Das macht man doch heute so.“ Erst recht ins Stottern gerät sie, als sie erklären will, warum sie zum Patentamt gegangen ist: „Mir gefiel das Logo einfach so gut.“
Doch hier geht es um mehr als „gut gefallen“. Schon prangt das zwielichtige Apfelkind auf Tassen, die im Laden zum Verkauf angeboten werden. Genau mit solchen Tassen verdient sich jedoch „Apple“ ein karges Zubrot und muss nun um seine Existenz fürchten. Um sich zu rechtfertigen, zählt Römer winzige Details auf, die vom großen Ganzen ablenken sollen: Ihr Apfel sei dicker und runder und habe einen Stil. In ihrem Apfel sei ein Kinderkopf und ihr Apfel sei nicht angebissen. Was die Geschäftsfrau verschweigt: Es ist immer noch ein Apfel. Auf die Frage, warum sie ihr Imperium nicht Tomaten-, Quitten- oder Pflaumenkind genannt hat, kommen Ausflüchte: „Bei Tomate ist der Rhythmus nicht so schön. Die Quitte ist nicht gut angesehen und Pflaumenkind…Da hätte ich Angst, dass die falschen Leute zu uns kommen.“
Apple, die bisher klaglos hingenommen haben, in der globalisierten Welt eines entfesselten Turbokapitalismus an den Rand gedrängt zu werden, setzen nun zum ersten Mal ein Zeichen.
„Wir haben Verantwortung“, sagt Apple-Sprecher Georg Albrecht. „Auch wir müssen Familien ernähren. Auch wir sollten zu dem stehen, was wir tun.“
In Zukunft will man es beispielsweise nicht mehr hinnehmen, dass sich New York City nebenbei auch Big Apple nennt und damit die geschützte Marke der Computerfirma aufweicht. Auch der Großraum-Frankfurt kann sich auf etwas gefasst machen, wenn die Wirte dort keine neue Bezeichnung für ihren Apple-Woi finden.
Darauf angesprochen gibt sich allerdings auch Römer plötzlich kämpferisch und setzt auf die Waffeln einer Frau: „Wenn diese Computer-Butze Streit haben will, dann kann sie Streit haben. Am Ende kauf’ ich deren Laden einfach auf und back zur Feier ‘nen schönen Apfelkuchen.“
Publiziert:
27. Oktober 2011
Verfasst von:
Anselm Neft
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Im malerischen Duisdorf, gleich am Ende (oder Anfang, je nach Stimmung) der mediterran anmutenden Fußgängerzone steht ein Kriegerdenkmal. Schmuck lugen Eichenlaub und Dolch unter einem Helm vom Typ M35 hervor. Stilvoll hält eine madonnenhafte Frauenfigur einen Soldaten im Arm, als sei er der vom Kreuz Genommene persönlich. Man weiß kaum, wohin man blicken soll, da stechen einem schon sieben Worte ins Auge: „Ihren gefallenen Söhnen. Die dankbare Gemeinde Duisdorf“. Hier hakt KNN nach.
Dankbarkeit ist oft angenehm, sowohl für den Dankbaren als auch für den Bedankten. Bei der Dankbarkeit gegenüber Toten beschränkt sich das angenehme Gefühl auf den Dankbaren. Wofür aber ist die Gemeinde Duisdorf den Soldaten dankbar? Offenbar dafür, dass sie gefallen sind, denn sonst stünde es ja nicht extra da, wobei „gefallen“ ein merkwürdiges Wort ist, von dem man wohl meint, es mache sich besser in der Nähe von Eichenlaub als zum Beispiel „elend in jungen Jahren gestorben“. Vielleicht wollen die Duisdorferinnen und Duisdorfer also ungefähr Folgendes zum Ausdruck bringen: „Liebe Soldaten, vielen Dank, dass ihr gestorben seid. Allemal besser, als wenn ihr kriegstraumatisiert, alkoholkrank, mit einem Bein zu wenig und einem Alptraum zuviel wieder in Duisdorf aufgetaucht wärt. Von diesen Kaputten können nämlich einige von uns ein Liedchen singen, und unter uns: Dieses Liedchen klingt weder besonders dankbar noch besonders ehrenhaft. Aber ihr, ihr hattet den Anstand nicht nur auf das Feld der Ehre zu ziehen, sondern auch dort zu bleiben. Vielen lieben Dank!“
Mag sein, mag sein. Vielleicht hat aber die Gemeinde Duisdorf beim Setzen der Inschrift nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Vielleicht ist der Sinn eher dieser: „Danke liebe Soldaten, dass ihr uns im ersten und zweiten Weltkrieg verteidigt habt.“ Nun munkelt man ja, dass die Deutschen am Ausbruch des ersten und des zweiten Weltkriegs nicht ganz unschuldig gewesen sind. Es gibt sogar anerkannte Historikerinnen und Historiker, die namentlich beim Zweiten Weltkrieg von einem regelrechten deutschen Angriffskrieg sprechen. Aber es mag sein, dass derlei komplexe wissenschaftliche Deutungen bislang in Duisdorf noch nicht angestellt wurden, oder man einfach vor Ort zu anderen Ergebnissen gekommen ist. Aus Duisdorfer Sicht wurde man offenbar bedankenswerter Weise von den wackeren Soldaten verteidigt. Eine nette Idee, sie klingt nur traurigerweise ein bisschen so, als ob sich im schönen Duisdorf militaristische Geschichtsverdreher ans Werk gemacht hätten. Also bitte: Kriegsverherrlichende Rechtsradikale mitten unter uns fröhlichen Rheinländern? Eine stumme Mehrheit, die duldet, wenn in Stein gemeißelt Menschen gedankt wird, die im Auftrag eines waffenrasselnden Wilhelms oder eines asozialen Adolfs geplündert, vergewaltigt und gemordet haben? Was kommt als nächstes? Das irgendein Politiker behauptet, unsere Freiheit würde am Hindukusch verteidigt? Wenn das wirklich so wäre, dann müsste man doch gleich ein Denkmal neben das Ehrenmal stellen, mit acht statt sieben Wörtern: “Kriege ohne Soldaten wären wie Kinderbordelle ohne Kinder.” Das könnte man den gefallenen Söhnen und den gefallenen Mädchen gleichzeitig widmen.
Doch von süßer Zukunftsmusik noch einmal kurz in die Vergangenheit: Bei den letzten Gefechten zu Kriegsende wurde in dem Ort mit dem trotzig-empfindsamen Esel im Wappen zum Glück die weiße Fahne gehisst, anstatt – Befehl von oben – bis zum letzten Mann oder Kind zu kämpfen. Diesen Soldaten kann Duisdorf dankbar sein und auch gerne ein Denkmal setzen. Um den Rest, gefallen oder heimgekehrt, kann man trauern.
Publiziert:
20. Oktober 2011
Verfasst von:
Anselm Neft
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In Bayern wurde vom Kölner Zoll ein Trojaner aus Daten von einer Firma aus Haiger auf den Laptop aus China eines Pharmahändlers aus echtem Schrot und Korn installiert bzw. nicht installiert, oder zumindest nicht so, oder in einer eher veralteten, d.h. neueren bzw. ganz anderen, wenn überhaupt, Version. Die Sachlage scheint komplex. Testen Sie, ob Sie den Durchblick haben: mit dem großen (okay mittelgroßen, eigentlich eher kleinen) KNN-Bundestrojaner-Quiz.
1. Was ist die korrekte Bezeichnung für die umstrittene Software?
a) Bundestrojaner
b) Bundestrainer
c) Staatstrojaner
d) Arschloch
2. Was bedeutet TKÜ?
a) Tiefkühlkost-Übelkeit
b) Telekommunikations-Überwachung
c) Telekom-Kollege-Übersprungshandlung
d) War das nicht so eine Band der Neuen Deutschen Welle?
3. Wie viel Screen schießt die Screenshot-Funktion des in Bayern eingesetzten Trojaners?
a) Den ganzen Bildschirm
b) 23 – 27 % des Bildschirms (je nach Zoll-Maßstab, hihi).
c) Nur das Nötigste
d) 60.000
4. Woran denken Sie zuerst bei dem Wort Integrität?
a) Stabiles Computersystem
b) Aufrichtigkeit
c) Heißt das nicht Integration?
d) An nichts
5. Ist der Einsatz solcher Trojaner zur Verfolgung vergangener Straftaten legal?
a) Ja
b) Nein
c) Ohne meinen Anwalt äußere ich mich dazu nicht.
d) Wir arbeiten nicht außerhalb des Gesetzes. Wir befinden uns allenfalls in einer rechtspolitischen Diskussion.
6. Was bedeutet CCC?
a) Chaos Computer Club
b) Chinese Carbon Copy (die Mail geht immer auch an das Innenministerium)
c) Cacke, ceinen Clou
d) Cale Copf Company, eine 1991 gegründete A Cappella Band aus dem Landkreis Osnabrück.
7. Trauen Sie der Bundesregierung?
a) Wem sonst?
b) Sind das nicht die, die gerade Griechenland retten?
c) Faschisten, alles Faschisten! Wehret den Anfängen! No pasaran!
d) Ja, bis auf Merkel, Schäuble, Westerwelle, Brüderle, Pofalla, Gabriel, Roth, BILD, Deutsche Bank, Siemens, Thyssen Krupp, Friedrich, Seehofer, Gauweiler, RWE, Niebel, Steinbrück, Zumwinkel…
Publiziert:
13. Oktober 2011
Verfasst von:
Anselm Neft
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Am Dienstag hat der US-Computerkonzern in Cupertino (Kalifornien) das mit hysterischer Spannung erwartete Nachfolgemodell des iPhone 4 vorgestellt. Das iPhone 4S sieht aus wie sein Vorgänger, kann aber noch mehr, so der neue CEO Tim Cook auf seiner ersten Produktvorstellung. Seitdem steht die Welt Kopf.
Ein Doppelkernprozessor, eine Kamera mit 8 Megapixeln, der Sprachassistent Siri – das sind einige der brandheißen Neuerungen, mit denen das neue iPhone in den USA für spontane Jubelfeste (z.B. vor der Wallstreet) sorgt. Auch in Deutschland wurde am vergangenen Wochenende gefeiert. Kölsch-Rock-Legende Wolfgang Niedecken sang in Bonn für Hundertausende vor Hundertausenden seinen neuen „Äppel is joot“-Song, bevor Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch zu Ehren des „Worldphones“ die Undoing-one-gender-Hymne „Alle Menschen werden Brüder“ anstimmte. Auch der Papst lobte gestern in einer Ansprache im Fernsehzimmer des Vatikan gegenüber seinem Intimus Georg Gänswein das „entzückende Telefon“, dass es „in den Farben konsequenten Denkens“ gebe: schwarz und weiß. Orient-Experte Peter Scholl-Latour äußerte in einer spontan einberufenen Pressekonferenz heute Morgen, die Unruhen in England und in der arabischen Welt seien nicht zuletzt auf den Wunsch weiter Bevölkerungsteile zurückzuführen, sich ein iPhone leisten zu können. Auch glaube er, der Hungerstreik in Ostafrika werde beendet, sobald man dort jedem Bürger kostenlos eines „dieser Wunderdinger von Apple“ zur Verfügung stelle. Kanzlerin Merkel sagte auf der gleichen Konferenz, eine technologische Innovation wie das iPhone 4S erinnere uns daran, dass es Wichtigeres gebe als die Euro-Krise.
Im heise-Forum tobt unterdessen ein flame war von unbekannten Ausmaßen. Befürworter und Gegner des Telefons streiten auf höchstem rhetorischem Niveau um dessen Heiligsprechung. Auch innerhalb der jüngst so erfolgreichen Piratenpartei spaltet das iPhone 4S die Geister. Vor allem einige der Älteren (20+) bemängeln, dass der Sprachassistent bisher nur auf Wu-Chinesisch zuverlässig funktioniert, während viele der Jüngeren, die ohnehin nicht schreiben können, die lautmalerische App einfach nur „krass porno“ finden. Und jung wie alt nehmen sich vor, beim nächsten generationenübergreifenden Slayer-Konzert in der ersten Reihe mit hochgehaltenem Smartphone die Stimmung zusätzlich anzuheizen. Experten raten jedoch dazu, bei Songs wie „Kill again“ den Sprachassistenten sicherheitshalber auszustellen.
Das Gerücht, Apple-Visionär Steve Jobs sei gestern nach einem Versprecher in eben diesen Assistenten von einem nicht ganz ausgereiften iPhone 4S getötet worden, konnten allerdings nicht bestätigt werden. R.I.P.
Publiziert:
6. Oktober 2011
Verfasst von:
Anselm Neft
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