* Eigentlich heißen wir Chaotic Nerd News, aber ein amerikanischer Fernsehsender hatte etwas dagegen.

Erweiterter Euro-Rettungsschirm – Wirtschaftsminister will anonyme Abstimmung

EFSF, ESM, BDM, BDSM – die Kanzlerin lässt es ordentlich krachen und braucht dafür von ihrer Fraktion Unterstützung. Bei der heutigen Abstimmung über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms müssen 311 der 330 Unions- und FDP-Abgeordneten Merkel ihr „Ja-Wort“ geben, sonst haut sich Altkanzler Kohl auf die Schenkel. Zwar steht fest, dass jeder Abgeordnete die folgenschwere Entscheidung frei von politischem Zwang aus reinem Sachverstand treffen wird. Trotzdem hält es Wirtschaftsminister Philipp Rösler (38, FDP, aber sonst ganz nett) für „besser“ wenn die Abstimmung ohne Klarnamen erfolgt. Im KNN-Gespräch live aus dem Bundestag erklärt der sympathische Wendehals, warum der Bundestag „eher facebook als google+“ sei.

KNN: Herr Rösler, heute geht es im Bundestag um die Wurst. Die Abstimmung soll nicht anonym erfolgen. Sie sind dagegen, warum?

Rösler: Moment, mein Handy. Ja, bitte? Krawattennadeln? Klar, die müssen auch in den Laden. So 300 Stück. So, bitte. Was war. Noch immer Griechenland oder schon Italien? Ach ja. Als Wirtschaftsliberaler gehe ich natürlich voll mit der Kanzlerin d’accord, dass man Ländern, die den Karren in den Dreck fahren, unter die Arme greifen muss. Wir müssen Schulden machen, um gegen Schulden vorzugehen. Das versteht jeder, der mal beim Zahnarzt war.

KNN: Das war nicht die Frage, aber das mit dem Zahnarzt müssen Sie erläutern.

Rösler: Na, der kämpft doch auch gegen Löcher im Zahn, indem er welche bohrt.

KNN: Ein großartiger Vergleich, aber wir möchten wissen, warum Sie eine anonyme Abstimmung wollen.

Rösler: Ich habe so ein bisschen den Eindruck, dass eine Abstimmung… Moment, gerade spricht mein Parteikollege Brüderle…

Brüderle (brüllt ins Mikro): „Wenn das Geld schlecht wird, wird alles schlecht!“

KNN: Der hat schon wieder einen im Kahn.

Rösler: Ein Abgeordneter folgt vielleicht weniger dem eigenen Gewissen als dem Gruppendruck, wenn er nicht anonym abstimmen darf. Ich bin ja auch gegen Fraktionszwang, der sich mit dem Grundgesetz beißt.

KNN: Aber Sie betrifft das doch alles nicht. Sie sind doch voll auf der Linie der Kanzlerin und können auch offen dazu stehen.

Rösler: Natürlich. Sie ist mindestens eine so große Wirtschaftsexpertin wie ich.

KNN: Das haben Sie schön gesagt.

Rösler: Ich will nur, dass der Bundestag eher facebook als google+ ist. Jetzt mal ganz ohne Werbung.

KNN: Aber hat google+ nicht gute Argumente für seine Klarnamen-Vorgabe? Kaum Spam und ein höheres Kommunikationsniveau?

(Vom Rednerpult dröhnt wirres Kauder-Welsch)

Rösler: Ach, viele drehen doch auch unter Klarnamen völlig frei. Ich bin einfach gegen Denkverbote. Und die nehmen zu, wenn meine Privatsphäre kleiner wird.

KNN: Herr Rösler, fast könnte man glauben, dass Sie von dem Euro-Rettungsschirm gar nicht so überzeugt sind.

Rösler: Das trügt. Nach der Jauch-Sache hat die Kanzlerin um 3.00 Uhr morgens bei mir angerufen und drei Stunden sehr freundlich auf mich eingeredet. Und ich konnte ihre Argumente immer besser nachvollziehen. Jetzt mal völlig abgesehen davon, dass natürlich ein Vize-Kanzler nur so gut dasteht wie die dazugehörige Kanzlerin.

KNN: Es hängt eben alles zusammen: Europa, das Geld, die Menschen der Koalition. Da muss einer für den anderen gerade stehen.

Rösler: Sie sagen es. Moment…Ja? Meine Bank ist am Apparat, Sie entschuldigen. Ich habe doch einen Kredit für meinen Krawattenladen in Mitte aufnehmen müssen. Offenbar gibt es noch Klärungsbedarf.

KNN: Natürlich. Herr Rösler, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 

 

Personalmangel nach Wahlerfolg – muss die Piratenpartei nun auf Frauen zurückgreifen?

Am vergangenen Sonntag holten die Piraten fast 9% in Berlin und zogen triumphal mit 14 Mann, einer Frau und ’ner Buddel voll Rum ins Abgeordnetenhaus. Für die Arbeit, die nun anfällt, fehlt der vom Wahlerfolg überraschten Partei Personal. Schuld dürften auch die harten Aufnahmekriterien sein: Walk like a pirate, talk like a pirat!  

Spitzenkandidat Andreas Baum (33) erklärt die Eintrittsbedingungen in seine Partei so: „Klar, jeder kann sich in den Arbeitskreisen einbringen, um aber vollwertiger Pirat zu sein, muss man eben wie ein Pirat gehen und wie ein Pirat sprechen.“ Um Interessierten den Einstieg zu erleichtern, hat die Partei vor zwei Tagen ein erstes Lehrvideo „How to Talk like a Pirat“ online gestellt. In vier leicht verständlichen Lektionen werden darin die Grundzüge der Piratensprache erklärt, die auf den ersten Blick wenig komplex wirkt, ihre Raffinesse aber im Detail offenbart. Ein Geh-Video ist in Vorbereitung.

Die extrem kehlige Aussprache und dickhodige Gehweise fällt Männern naturgemäß leichter, so dass die geringe Anzahl an Piratinnen nicht verwundert. Auf die Frage, warum mit Susanne Graf (19) nur eine einzige Frau für die Piraten ins Abgeordnetenhaus zieht, antwortet Baum daher auch einsichtsvoll: „Die Frauen wollen halt nicht so in der ersten Reihe stehen, da muss man dann ja manchmal vor hundert oder tausend Leuten sprechen.“* Davon abgesehen sei die Ausrichtung der Piratenpartei postgender, man sehe einfach keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen, alle seien Menschen. Dieser sympathische Ansatz findet sich auch auf der Piraten-Homepage. Dort wird festgestellt, dass es in „piratigen Gefilden wirklich keinen Bedarf für einen Genderdiskurs gibt“*, bevor man das gendertheoretisch mit allen Wassern gewaschene Fazit zieht: „Unterschiede sind Unterschiede. Ob mit oder ohne Hinzunahme von Political Correctness in Form von Genderpolitik.“*

Wie unnötig spießige Emanzipations-Bemühungen heutzutage sind, beweisen auch Hunderte von aufgeklärten Kommentaren zu einem Spiegel-Online-Artikel, in dem behauptet wird, es seien zu wenig Frauen in der Piratenpartei. So kommentiert z.B. „movfaltin“: „Im übrigen sind in der Piratenpartei auch viel zu wenig Dummköpfe, Mittellose und Migranten, zu wenige Anzugträger, unterdurchschnittlich viele Kirchengänger usw. usf. Und, was wohl nach SPON-Meinung das Schlimmste ist: nicht ein Kommunist! Nicht ein Nazi! Wie will so jemand die Bevölkerung repräsentieren?!“*

Von den Kirchengängern einmal abgesehen: Der Papst hätte es nicht besser formulieren können. Aber wer dem Geschlechterverständnis seiner Zeit voraus ist, wird oft missverstanden.

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Die mit einem * versehenen Aussagen sind nicht vom Autor ausgedacht.

 

 

Windows Nutzer im Glück: Windows 8 verspricht Volltreffer zu werden

Auf der seit Dienstag laufenden Entwickler-Konferenz „BILD“ in Anaheim (Kalifornien) gab Microsoft einen ersten tieferen Einblick in die mit Kopfschmerzen erwartete nächste Windows Version. Bereits die Optik des Startbildschirms (Metro-Oberfläche) versetzte viele Anwesende in einen spontanen Glückstaumel. Aber auch die PC-Refresh-Option, die Virtualisierungslösung Hyper V, die Beschleunigung des Boot-Vorgangs und ein verbesserter Taskmanager begeistern Anhänger der Generation Analphabet auf Anhieb. Trotzdem fehlt es auch wieder nicht an Menschen, die reflexhaft nörgeln. KNN sammelte letztgültige Pro- und Contra-Stimmen zur vorläufigen Testversion.

 

Pro Windows 8

 

Peter Patriot (Stuttgart): Es ist großartig, dass Windows 8 alle Daten automatisch in der Cloud sichern soll. Darauf haben die US-Behörden unbegrenzt Zugriff, und das erleichtert den Guten die Arbeit. Daumen hoch!

 

Kevin Kappe (Berlin): Klasse! Gerade habe ich Windows 7 durchgespielt, und schon gibt es die Vorabversion vom Nachfolger. Mit Windows wird es einfach nie langweilig.

 

Tanja Tussi (Essen): Boh fett, Alter, voll die sexy Kacheln. Endlich hat mein Dingsdabums den Look von meinem pervers stylishen Handy, wo ich mit twittern tu.

 

Paul Porn (Bonn): Multitouch ist voll mein Ding. Ich wisch einfach gern mal mit meinen Penis entspannt über den Bildschirm anstatt so doofe Mäuse zu drücken.

 

Gitta Gestern (München): Ich mag Innovationen, die keine sind, aber so aussehen. Einfach schön den NT-Kernel mit so ner Smartphone-GUI. Das reicht doch.

 

Contra Windows 8

 

Anna Anti (Bitterfeld): Windows ohne Fenster? Moment mal! Das müsste dann Tiles heißen, oder? Aber ich komme mit den Microsoft-Namen eh durcheinander. Gab es überhaupt Windows 6 vor Windows 7? Und wo ist das System in einer Reihe wie NT, ME, 2000, XP, Vista, 7? Wenn es mit den Bezeichnungen schon so chaotisch zugeht, was ist dann erst beim Programmieren los? He, hört mir hier überhaupt noch einer zu?

 

Simone Süßbrot (Delmenhorst): Wo ist die sprechende Büroklammer? Ich habe sie nirgendwo in der Vorab-Version entdeckt! Ohne Karl Klammer macht Windows für mich keinen Spaß. Oder hat das jetzt gar nichts mit dem Betriebssystem zu tun?

 

Till Tux (Hamburg): Wenn Windows 8 die Antwort ist, wie doof muss die Frage gewesen sein?

RTL II Flop: “Nerd sucht Frau” nach drei Folgen abgesetzt

Big Brother“, „Dschungelcamp“, „Bauer sucht Frau“, „Die Alm“ – kein deutsches TV-Format ist zu langweilig, um nicht genug Schaulustige für einige Staffeln bei der Stange zu halten. Doch irgendetwas lief bei „Nerd sucht Frau“ anders. Während das Format in Japan ein großer Erfolg ist, musste es in Deutschland nach drei Folgen eingestellt werden. „Zu langweilig“ – so das Fazit einer Meinungsumfrage.

„Ich kann mir nicht 30 Minuten anhören, wie ein Typ einer Frau erzählt, was sein Charakter bei dem Spiel „The Witcher“ erlebt hat“, sagt Olaf Gurke, ein 41jähriger Fernsehkonsument aus Bonn. „Und das war noch die spannendste Folge“. Auch andere Zuschauer fühlten sich von „Nerd sucht Frau“ schnell genervt: „Ein romantisches Abendessen in einer Dönerbude und dann zu einer W-Lan-Party im Haus der Mutter? Kein Wunder, dass da nichts geht“, gibt Silke Scheuermann (28) zu Protokoll. „Und wer bei einer nackten Frau, den „Gefällt-mir“-Button sucht, sollte sich vielleicht mal behandeln lassen.“

Verbraucherschützer demonstrierten früh gegen die Sendung, die „unglaublich unruhig“ und „unvorhersehbar aggressiv“ mache. Auch Karsten Prengel, 39 und Vorsitzender des Vereins „Menschenwürdiges Fernsehen e.V.“, formulierte Bedenken: „Die Leute im Dschungelcamp sind vielleicht dumm und geltungssüchtig, aber bei „Nerd sucht Frau“ werden Menschen mit offensichtlichen Behinderungen vorgeführt. Oder wie nennen Sie das, wenn jemand die Länge aller Soli der Alben von Opeth, Dream Theater und Meshugga bis auf die Sekunde genau zusammen addiert und das als Balzverhalten versteht?“

RTL II Programmdirektor Holger Andersen (13,8 cm) kann sich den Flop dennoch nicht recht erklären. Die Sendung hätte alles gehabt, was großes Fernsehen ausmacht: Komik, Tragik und eine Debatte über Seven of Nine im Vergleich mit Lieutenant B’Elanna Torres.

 

 

 

 

 

 

Beleuchtung am Scheideweg: Das Ende der 60-Watt-Glühbirne

Heute erreicht der Glühlampen-Ausstieg der Europäischen Union gemäß Verordnung EG 244/2009 die dritte Stufe. Nachdem es bereits ein Herstellungs- und Vertriebsverbot für 100- und schließlich 75-Watt-Glühbirnen gab, erwischt es nun den Klassiker unter den kleinen Leuchten. Inmitten der zunehmend hitzigen Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern der Verordnung sprach KNN mit einer 60-Watt-Glühbirne. 

KNN: Liebe Birne, wie fühlt man sich, wenn man laut EU ab heute nicht mehr existieren darf?

60 Watti: Grauenvoll. Und entsetzlich ohnmächtig. Das Toast Hawaii, das Jojo und das Schamhaar sind wenigstens von alleine ausgestorben, weil sie keiner mehr mochte. Uns Birnen aber wird das Existenz-Recht von ganz oben abgesprochen. Wenn Sie mich fragen: Der reinste Faschismus.

KNN: Das Schamhaar ist ausgestorben?

60 Watti: Das Schönheitsideal ist heute eben der Nacktmull. Ich habe ja schon auf so Einiges geleuchtet. Und eins kann ich Ihnen sagen: Im kalten Licht der Energiesparlampen sehen nackte Menschen aus wie Rinderhälften im Kühlhaus. Sex wird bald nur noch im Dunkeln stattfinden, oder eben gar nicht mehr. 

KNN: Ist das nicht nur eine Gewöhnungsfrage?

60 Watti: Klar, viele konnten sich ja auch an Adolf Hitler gewöhnen.

KNN: Nazivergleiche helfen hier doch nicht weiter. Es soll bereits ESL geben, die ganz schönes Licht machen und…

60 Watti: Aber wie sehen diese Dinger aus? Grob, klobig. Das ist die Ästhetik eines neuen brutalisierten Zeitalters. Heute sind es wir Birnen – und morgen?

KNN: Also jetzt mal langsam. Ein Privathaushalt spart 150 Euro Stromkosten pro Jahr durch…

60 Watti: Und gibt 200 Euro mehr aus, weil die Dinger viel teurer sind. Die Fahrerei zu den Sammelstellen noch nicht mitgerechnet. Die Endlagerung von Quecksilber in Hessen erinnert mich übrigens ein bisschen an die Endlösung.

KNN: Jaja. Aber die ESL halten doch bis zu 15 Mal länger.

60 Watti: Wenn man sie ständig brennen lässt. Häufiges An- und Ausschalten hingegen bekommt diesem Schrott nicht. Und sind Sie schon mal nachts mit praller Blase aufs Klo gerannt und haben dann eine Minute gewartet, bis sich die feine Frau Sparfunzel bequemt richtig zu leuchten?

KNN: Na, dafür verwandeln Birnen wie Sie nur 5% der aufgenommenen Energie in Licht, die ESL bis zu 25%.

60 Watti: Ich gebe eben auch tüchtig Wärme ab. Die Energie, die die Ökodeppen bei der Beleuchtung sparen, geben Sie beim Heizen wieder aus. Alles Lobbykram. Dahinter stecken Leute wie dieser Reserve-Goebbels Sigmar Gabriel. Bei SPD fehlt sowieso nur noch das N.

KNN: Äh, und das A, und die Reihenfolge der Buchstaben müsste auch eine andere sein.

60 Watti: Ach Sie vergleichen die SPD mit der NSDAP? Interessant, so weit wäre ich nicht gegangen.

KNN: Es reicht, ich lasse mich doch nicht von einem Auslaufmodell hinters Licht führen.

60 Watti: Sagen Sie mir doch mal, was Stromsparen und Klimawandel miteinander zu tun haben!

KNN: Keine Ahnung, aber Experten haben offenbar…

60 Watti: Experten – mir brennt gleich der Wolfram durch! Diese Funzel-Faschisten! Dr. Mengele galt ja auch als Experte. Aber Sie werden es erleben: Die Leute werden mich hamstern und bunkern. Ich werde unter der Ladentheke weiter gehandelt und im Internet als heatball verkauft werden.

KNN: Wollen Sie damit etwa unsere Leser aufrufen, der EU Verordnung heimzuleuchten und statt ESL diese Heatballs zu kaufen? Unter – ich buchstabiere – http://heatball.de?

60 Watti: Das haben jetzt Sie gesagt. Muss doch jeder selbst wissen, ob er ein Edelleuchtpirat sein will. Ich werfe eben nur gerne mal ein anderes Licht auf die Sache.