* Eigentlich heißen wir Chaotic Nerd News, aber ein amerikanischer Fernsehsender hatte etwas dagegen.

Von Gott geklaut? Klagewelle erschüttert IT-Branche

Es begann mit dem Streit um das Design von Tablet-Computern: Apple warf Samsung diesen Sommer vor, das geschützte Design von iPhone und iPad mit seinem Galaxy Tab 10.1 kopiert zu haben, und forderte einen Verkaufsstop. Samsung bewies daraufhin anhand ausgewählter Filmstills, dass bereits in dem Science Fiction Klassiker „2001: Odysee im Weltraum“ Raumfahrer an flachen Computern ohne Tastatur herumfummeln. Daraufhin erwog Stanley Kubrick, Regisseur und Produzent der Weltraumoper, Apple zu verklagen, stellte aber fest, dass er bereits tot ist. Und nun mischt sich auch noch Microsoft in das Geschehen ein.

 

Gut, die Apple-Tablets sind hochkant, die von Samsung im Längsformat, aber sonst weisen  die Produkte ein paar verdächtige Ähnlichkeiten auf: Beide sind rechteckig und besitzen eine Möglichkeit zum Ein- und Ausschalten. Von daher ist es nachvollziehbar, dass sich Apple in einer von bisher 19 Klageschriften beschwert: „Samsung nutzt den Ruf des iPad aus, bei dem es sich um ein sehr bekanntes Produkt mit Kultstatus handelt.“ Unterdessen wirft Samsung die Frage auf, ob das Apple-Betriebssystem iOS nicht stark an eine hastig zusammengestümperte Version von Android erinnert. Ein Hauen und Stechen, das vielen Anwälten die Taschen füllt.  Wie die meisten Unternehmen schätzen Apple und Samsung den freien Wettbewerb. Nur, dass es andere Wettbewerber gibt, stört bisweilen. Microsoft sieht es ähnlich und verklagt Apple.  Die Behauptung: Microsoft hätte bereits 2001 den Begriff Tablet-PC eingeführt und eine hübsche Version mit Stift entwickelt, die Apple dann geklaut und ganz leicht modifiziert hätte. Die Apple-Geschmacksmuster hätten tatsächlich ein Geschmäckle, so der Stuttgarter Patentrechtler Peter Brüstle.  Apple beruft sich allerdings auf das Alte Testament: Bereits Moses hätte rechteckige Tablets besessen, die, wie ja auch alle Apple-Produkte, direkt von Gott gekommen seien. Bibelforscher behaupten mehrheitlich, die frühzeitlichen Tafeln wären tatsächlich im applemäßigen Hochformat geliefert worden, hätten aber sicherlich ein angenehm mattes Display und Flash-Kompatibilität (damals „Blitz des Jahwe“) besessen. Das Düsseldorfer Landgericht will den Sachverhalt noch genauer prüfen lassen.

 

Amazon gründet Bestsellerverlag

Bereits im Mai des Jahres kündigte der sympathische kleine Nischen-Web-Shop eine Verlagsgründung an. Nun gibt Programmleiter Larry Kirshbaum den mit Spannung erwarteten ersten Titel an, der exklusiv bei Amazon erscheinen soll: “The 4-Hour-Chef”, ein Kochbuch des Bestsellerautos Tim Ferriss, der mit “The 4-Hour-Week” eindrucksvoll demonstrierte, dass man eigentlich nur vier Stunden in der Woche zu arbeiten braucht.  KNN verrät weitere Titel, die ganz sicher Bestseller werden.

           

“The-4-Hour-Week. 3rd World Edition.”

60 Stunden die Woche arbeiten und nur für vier bezahlt werden? Kein Problem in der dritten Welt, wo heute schon der Profit von morgen generiert wird. Tim Ferriss, Autor von “The-4-Hour-Week”, deckt die spannenden Zusammenhänge zwischen Müßiggang und Wohlstand auf der einen Seite und neckischer Emsigkeit auf der anderen auf. Sehr amüsant und sehr lehrreich.

Peter Scholl-Latour: Alle Wetter!

“Sex, Islam und Jugendgewalt – ein Yuppie im Rollbergkiez”

Erfolgsautor Anselm Neft begibt sich von seinem Loft in Grunewald zu den Gestrandeten unserer Gesellschaft. Er flaniert nachdenklich durch die Elendsviertel und kommt bald zu dem Schluss: Schlimm, schlimm, schlimm. Vor der Mohammed-Gesamtschule trifft er jedoch auf die rassige Aishe. Sein Menschenbild bekommt Risse. Und dann ist da noch sein norwegischer Freund Anders…

Thilo Sarrazin: Das wird man doch wohl noch schreiben dürfen.

“Titten, Tod und Teufel”

Marek ist Söldner. Er tötet für Geld. Er traut seinem Schwertarm und sonst niemandem. Er hat sieben Laster: Sex und Saufen. Er vögelt eine Wanderhure, die Tochter der Wanderhure, die Schwester der Tochter der Wanderhure, die Tochter der Schwester der Tochter der Wanderhure und eine Hebamme. Doch schließlich juckt sein Gemächt und er muss zum Medicus.

Nach dem Inquisitions-Reißer “Gellende Schreie aus gleißenden Flammen” landet Harubald Trutzkopf mit diesem Buch einen weiteren Befreiungsschlag. Hier sind Männer ganze Kerle und Frauen dekorative Randfiguren. Endlich ist das Mittelalter wieder so wie es sein sollte.

“Ich bin doof – na und?”

Doof – keiner ist es selbst, aber jeder kennt mindestens einen Doofen. Doofe werden öffentlich diskriminiert, im Berufsleben gemobbt und als Freunde oder Partner von Nicht-Doofen links liegen gelassen. Manche Politiker fordern sogar, die Doofen ganz aus Deutschland zu verbannen.

Peter Hahne, selbst viele Jahre doof, bricht in diesem mutigen Buch eine Lanze für Andersgebildete und zeigt uns nebenbei, was Menschlichkeit wirklich bedeutet.

Jetzt mit großer Kauf-zwei-zum-Preis-von-drei-Aktion!

Annette Schavan: Ein guter Ansatz, aber welcher Doofe kann heute noch lesen?

 

 

 

 

Die Revolte, die aus dem Display kam – Wie Smartphones Menschen zu Staatsfeinden machen

Der Startschuss fiel in der  arabischen
Welt: Ob Tunesien, Ägypten, Lybien
oder Syrien – überall wurden junge,
vernünftige Leute durch Social Media
wie Twitter oder Facebook auf die
Straße getrieben. Nun folgt dem
arabischen Frühling ein englischer
Sommer – und diesmal steckt vor
allem der BlackBerry Messenger
hinter den Krawallen.

 

London-Tottenham, Freitag der 5. August. Ein Jaguar XJ-S rollt leise durch das ruhige Wohnviertel. Ansonsten hört man nichts, nur das „Wiewohl mein Herz in Tränen schwimmt“ aus der Matthäus-Passion (Gardiner-Aufnahme), deren zeitlos erhabene Klänge aus dem geöffneten Fenster eines Lofts über die gewaltigen Grünflächen mäandern. Phoebe (17) und Giles (19) sitzen im Café „Bobo“ und nippen bedächtig an ihren haji Colas. Sie räsonieren über die Frage, ob die Philosophie die Welt nur erklären oder auch veränderen sollte, und ob nicht im Prozess des Erklärens schon eine Veränderung liegt, so wie im Prozess der Veränderung eine Erklärung gegeben wird. Nachmittags sind sie zum Polo verabredet. Am Abend wollen sie zu einem Wohltätigkeitsball: Geld soll gesammelt werden, um spanischen Straßenhunden ein besseres Leben zu ermöglichen.

Ein normaler Tag im Viertel der oberen Zehntausend. Doch trotz der materiellen Sorglosigkeit kennt man auch hier Probleme: Sind wir wirklich integriert, wenn wir immer nur unter uns bleiben und unser Vermögen im Ausland versteuern? Welche Perspektive haben unsere Kinder, wenn sie nicht einmal mehr reicher werden können, als wir selbst? Wann werden die Vorurteile gegen uns aufhören, wir wären faul, bloß weil wir nicht arbeiten? Was ziehe ich zur Dinnerparty am Samstag an? Das sind Fragen, die auch Phoebe und Giles zunehmend belasten.

Und dann plötzlich: Giles zieht sein vibrierendes BlackBerry aus dem Ralph Lauren Jackett, starrt aufs Display und von einer Minute auf die andere ist alles anders: Er springt auf, brüllt „Viva la revolución!“ und reißt den Tisch um. Jetzt bekommt auch Phoebe eine Nachricht auf ihr RIM-Smartphone. Ihr junges, hübsches Gesicht wird von Wut verzerrt: “Eat the rich!” schreit sie und beißt dem Kellner ins Bein.

In Windeseile verbreitet sich der mysteriöse Aufruhr-Aufruf durch das ganze Viertel. Keine Stunde später brennen die ersten Feinkostläden. Tottenham wird zu Hottentottenham. Die Krawalle greifen über auf andere Stadtteile mit überwiegend ultrareicher Bevölkerung  – nicht nur in London. Manche Jet-Setter brechen sogar ihren Urlaub in Südafrika oder auf Jamaika ab, um sich als Schlachtenbummler ins Getümmel zu werfen. Darunter Premier David Cameron.

„Endlich ist hier mal was los“, kreischt Simon, der 15jährige Nachfahre des Earl of Donkchester in ein BBC-Mikrofon. Dann starrt er wieder auf sein Smartphone.

Experten sind sich längst einig, dass diesmal weniger Facebook als der BlackBerry Messenger hinter dem Aufruhr steckt. Doch was macht BBM für die organisierte Randale so attraktiv? „Es ist die verschlüsselte Kommunikation“, weiß Veronica Vaughan (54), Leiterin des Instituts für verschlüsselte Kommunikations-Forschung. „Viele der Superreichen sind BlackBerry-Unternehmenskunden und haben eigene Server. So wird End-to-End-Verschlüsselung möglich, die kaum nachvollzogen werden kann.“

Längst verfolgt die Polizei nicht nur die Aufständischen, sondern vor allem auch die tweets, die friedliche Menschen in plündernde Vandalen verwandeln. Eine Frage drängt sich dabei auf: Was wollen die tweets? Gibt es politische Motive oder treibt sie der pure Spaß am Chaos? Und warum rufen sie die Reichen dazu auf, sich gegenseitig auszurauben? 

Vaughan: „Noch wissen wir zu wenig über die tweets. Fest steht aber: Für sie sind die Krawalle ein Erfolg, denn endlich nimmt die Welt zur Kenntnis, dass sie überhaupt existieren.“

 

Randi Zuckerberg verlässt Facebook – Frauen in der IT I

Die IT gilt als eines der lockersten und egalitärsten Arbeitsfelder der Welt. Oft arbeiten Schwarze, Gelbe und Weiße einvernehmlich in einem Team. Sogar Frauen werden nicht selten als beinahe gleichwertige Kolleginnen wahrgenommen, die auch schon mal Skripte verstehen, obwohl die gar nicht klickibunti sind.  Mittlerweile werden ihre oft eher putzigen Leistungen („besser als erwartet“) im Zuge übergroßer PC am PC auch zunehmend zu sehr gewürdigt. Mit Randi Zuckerberg beleuchtet KNN einen solchen Fall.

Randi Zuckerberg – wer kennt sie nicht? Zusammen mit ihrem Bruder Mark begleitete sie Facebook vom Hobby eines notgeilen Studenten zu einer der erfolgreichsten Internetfirmen der Welt. Während sich Mark jedoch lieber im Hintergrund hält, läuft Randi vor jede Fernsehkamera, um über ihre großen Erfolge zu sprechen und sich als das Face von Facebook zu präsentieren. Zeitweise schien der scheue Rotschopf hinter seiner dominanten älteren Schwester gänzlich zu verschwinden. Einen Ausgleich erzeugten die deutsch- und englischsprachigen Wikipedia-Einträge zu „Facebook“: Dort taucht Randis Name endlich einmal nicht auf. Auch Regisseur David Fincher sparte ihre Rolle in dem Film „Social Network“ aus, um auch mal Männern in einem Hollywoodfilm etwas Raum zu geben.

Als Marketing-Direktorin und Sprecherin von Facebook zickte sich die Zuckerberg Schwester immer weiter in den Vordergrund. Die unweibliche Strebsamkeit machte der Harvard-Absolventin jedoch wenig Freunde: 150.000 auf Facebook. Zum Vergleich: Ihr lässiger Bruder bringt es auf knapp fünf Millionen. Daher zeigt Spiegel-Online fairerweise auch sein Foto statt dem ihren, als er heute morgen über Randi Zuckermanns Ausstieg bei Facebook berichtet.

Ausstieg bei Facebook? Offenbar sind der 29jährigen die Rosinen im Kopf zu sehr geschwollen. Gestern twitterte sie keck aus dem Mutterschutz, dass sie nun ihre eigene Firma gründen will. Sofort entspann sich darüber bei Heise-Online eine Expertendiskussion. So schrieb HNMatze: „Das Sugarbabe hat nen Spasmus in der Gesichtsmuskulatur… oder? Schaut euch mal die Bilder bei Google an. Es gibt kein einziges, auf dem sie normal schaut. Immer dieses extreme Grinsen…Grinsekatz. So kann man gar nicht beurteilen, ob sie nun scharf ist oder nerdy…”

Darauf antwortete Volkszertreter: „Die sieht genau so aus, wie ihr Bruder, nur mit langen Haaren. Die Brust (zumindest die gefühlte) ist auch genau so groß.“

Wozu 084er beisteuerte: „Hab ich das richtig verstanden, dass du ihre Brust gefühlt hast?“

Vielleicht ist es an der Zeit, dass Frauen in der IT etwas weniger gehyped werden. Emanzipation schön und gut, aber wo Zicken, femokratische Kampflesben und hysterische Muschis den Ton angeben, ist das rechte Maß längst überschritten.